Die Kindheit mit Hämophilie A – Teil 2

Die Kindheit mit Hämophilie AHallo liebe Leserinnen und Leser, ich hoffe, Euch hat der erste Teil meines Blog-Beitrags „Kindheit mit Hämophilie A“ gefallen! Wie versprochen folgt hier nun der zweite Teil. Viel Spaß beim Lesen!  

Noch mehr Probleme

Ich erwähnte bereits, dass meine Eltern in meiner Kindheit erst wenige Jahre in Deutschland waren. Was zur Folge hatte, dass man sich nicht nur schlecht verständigen konnte, sondern auch finanziell nur so viel hatte, dass man grade so über die Runden kam. Das machte sich natürlich ganz deutlich bemerkbar, als ich die ersten Male krank wurde. Denn wir hatten weder ein Auto, noch war ein Krankenhaus in der Nähe. Bei normalen Krankheiten wie Fieber oder Husten war das kein Problem, denn einen Arzt konnte man auch zu Fuß leicht erreichen. Aber was passiert, wenn man sich eine Verletzung holt, mit der man zum Facharzt sollte? Wie Ihr alle wisst, sitzen die Ärzte, die sich mit Hämophilie A auskennen, oft in einem Krankenhaus. Zumindest war das bei uns damals so. Da wir aber kein Auto hatten, mussten meine Eltern bei jeder Verletzung über eine Stunde mit öffentlichen Verkehrsmittel fahren, um ins Krankenhaus zu gelangen, und das obwohl man nicht mal die Sprache verstand. Auch wenn das alles Einstellungssache ist und sie damals keine andere Wahl hatten, könnte ich mir das niemals vorstellen.  

Die Kindergartenzeit

Obwohl es bereits über 20 Jahre her ist, erinnere ich mich noch ganz gut an meine Kindergartenzeit. Doch sind diese Erinnerungen anders, als man erwarten würde. Denn sie sind nicht mit Freude und all dem verbunden, was typisch für Kinder in dem Alter ist, sondern eher mit Angst und Hilflosigkeit. Das ist aber auch logisch, denn meine Eltern hatten mich seit meiner Geburt vor allem und jeden beschützt. Dadurch entstand eine Bindung, die über das Normale hinausging und plötzlich musste ich alleine in den Kindergarten. Das bedeutete für mich, dass ich das erste Mal komplett auf mich allein gestellt war. Auch wenn das seltsam klingt, erinnere ich mich bis heute an dieses Gefühl. Für meine Eltern war es aber auch eine große Bürde, denn sie mussten die Kontrolle über mich an fremde Personen abgeben, die sie noch nie gesehen hatten. Loslassen eben ... Es hat leider sehr lange gedauert, bis wir mit diesem Zustand zurechtkamen. Deshalb ist es auch umso wichtiger, dem Kind dabei zu helfen, so schnell wie möglich selbstständig zu werden und auf sich selbst aufzupassen. Denn früher oder später muss es das sowieso.  

Ein Licht am Ende des Tunnels

An dieser Stelle habt Ihr sicher schon längst gemerkt, dass meine Kindheit alles andere als schön war. Doch zum Glück ist es nicht so geblieben. Denn wie bei vielen Dingen im Leben muss man sich erst daran gewöhnen und in die Aufgabe hineinwachsen. Tatsächlich wurde es mit jedem Jahr einfacher. Ich habe nach und nach gelernt, wie ich mich verhalten muss, worauf es ankommt und vor allem, dass man auch seinen Eltern das Gefühl gibt, dass man jetzt auch selbst auf sich aufpassen kann. Deshalb kann ich jedem, der gerade auch so eine Phase durchmacht, raten einfach durchzuhalten. Es wird mit jedem Jahr besser und irgendwann kommt der Moment, an dem das Kind erwachsen wird. Erst dann werden auch die Eltern sehen, wie gut sie ihren Job gemacht haben.   Hast Du Fragen, Anregungen oder Kritik? Dann schreibe uns gerne eine E-Mail über das Kontaktformular. Wir melden uns schnellst möglich zurück.

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