Gar nicht so einfach: Berufswahl als Hämophilie-Patient

Wegweiser bei Hämophilie A Diagnose

Liebe Leserinnen und Leser,

dass man als Hämophilie-Patient einige Einschränkungen im Leben hat, ist, denke ich, jedem klar. Im Alltag merkt man die Krankheit zwar kaum, aber es gibt immer wieder Momente im Leben, in denen es einem wirklich bewusst wird. Dies gilt beispielsweise auch für die spätere Berufsauswahl. Wo bei mir die Problematiken waren und wie ich damit umgegangen bin, möchte ich Euch gerne in diesem Blog-Beitrag erzählen.

 

Träume vom richtigen Job

Jeder Mensch hat einen sogenannten Traumjob, den er später mal ausüben möchte. In den meisten Fällen gelingt es den Leuten auch, diesen Traumjob zu bekommen. Dafür gehen viele studieren, absolvieren eine Ausbildung oder machen sich selbstständig. Grundsätzlich gilt in Deutschland die Berufsfreiheit – und das ist auch gut so! Bei Menschen, die unter der schweren Hämophilie leiden, ist dies jedoch etwas anders. Klar, Träume haben wir auch, jedoch sind die oft nicht umzusetzen ... Es ist zwar etwas ungewöhnlich, aber ich wäre gerne Soldat oder Polizist geworden. Warum? Weil man sich im Idealfall für das Wohl der Menschen einsetzt. Die Soldaten und Polizisten schützen unser Grundgesetz, wenden Gefahren ab und ermöglichen es, dass wir alle friedlich miteinander leben können. All diese Dinge sind für uns mittlerweile so selbstverständlich geworden, dass keiner mehr darüber nachdenkt, wem wir das Ganze eigentlich zu verdanken haben und wie gut es uns damit geht.

 

Alternativer Beruf?

Da diese Berufe für mich aber nicht mehr in Frage kamen, musste ich mir also überlegen: Welche Berufe kann ich eigentlich ausüben und mit welchem Beruf möchte ich auch leben? Im Prinzip konnte ich alle Berufe vergessen, bei denen man sich verletzten könnte. Sprich: fast alle Handwerksberufe, Berufe in der Küche und auch Berufe, bei denen man viel reisen muss. So viel blieb da also nicht mehr übrig.

Ich suchte meinen Arzt auf, mit dem ich die Situation und auch mögliche Grauzonen besprach. Daraufhin erzählte er mir, dass jeder Mensch selber entscheiden müsse, wie weit er gehen und was er sich zumuten möchte. Man müsse nur bereit sein, das Risiko auf sich zu nehmen und im Unglücksfall auch mit den Konsequenzen zu leben. Da ich aber meine Gesundheit grundsätzlich nicht aufs Spiel setzen möchte, dachte ich über diese Theorie auch nicht weiter nach.

Dafür fiel mir ein, dass ein Bürojob ideal für mich wäre. Klingt erstmal langweilig, aber zum Glück braucht man in fast allen Firmen und Branchen jemanden, der den „Papierkram“ erledigt. Wichtig war für mich nur, dass ich auch mit Menschen arbeiten kann. Nach langem Hin und Her entschied ich mich schließlich, den Beruf des Verwaltungsfachangestellten zu lernen und später einmal in einem Amt zu arbeiten. Im öffentlichen Dienst hat man schließlich den ganz großen Vorteil, dass man abgesichert ist und geregelte Arbeitszeiten hat. So hat man wenigstens auch genug Zeit für seine Familie, die mir besonders wichtig ist. So kam es dann auch: Ich absolvierte meine Ausbildung erfolgreich, die echt nicht einfach war, und erhielt von meinem Arbeitgeber direkt im Anschluss einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Inzwischen arbeite ich im Ordnungsamt, wo ich auch ganz glücklich bin.

 

Fazit

An der Stelle muss ich meinem Arzt Recht geben. Natürlich gibt es viele Berufe, die für jemanden mit der schweren Hämophilie besser geeignet sind. Wichtiger ist jedoch, dass man in dem, was man tut, glücklich ist. Einen Beruf übt man in der Regel nicht nur ein paar Wochen oder Monate aus, sondern im Idealfall mehrere Jahre. Also muss man sich immer die Frage stellen: Kann ich mir vorstellen, diesen Beruf bis zum Rentenalter auszuüben. Lautet die Antwort „nein“, so muss jedem klar sein, dass man sich frühzeitig nach was anderem umschauen muss. Ich kann Euch nur den Rat geben, Euch vorher gut zu überlegen, Euch ein Ziel zu setzen und dann alles dafür zu tun, um es zu erreichen. Denn glaubt mir, die Mühe wird sich lohnen und Ihr werdet es nicht bereuen!


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