Offenheit in der Partnerschaft bei Hämophilie A

Offenheit in der Partnerschaft: Wie erzähle ich meinem Partner von meiner Hämophilie A

Der Name des Artikels klingt zunächst komisch: Sollte Offenheit in einer Partnerschaft doch normal sein. Also was hat dies speziell mit der Hämophilie A zu tun? Ehrlich gesagt mehr, als man vielleicht zunächst denkt. Aus meiner Erfahrung weiß ich: Es gibt Aspekte, die eine Partnerin wissen, aber auch für sich akzeptieren muss. Aber ich habe auch erlebt, dass dies insbesondere am Anfang einer Beziehung nicht einfach ist und gerade die eigene Erkrankung gerne von Hämophilen verheimlicht wird.

 

Wenn Hämophilie plötzlich ein Thema wird

Die Hämophilie A ist eine Krankheit, die man vielen Hämophilen dank der guten Versorgung, insbesondere in Deutschland, heutzutage nicht mehr ansieht. Dies hat zur Folge, dass man die Hämophilie bei den ersten Dates auch gar nicht erwähnen muss, ja sogar sehr gut verheimlichen kann – im Gegensatz zu anderen Erkrankungen oder Behinderungen. Auch ich habe erlebt, dass ich es zwar nicht verheimlicht habe, aber in jungen Jahren meine Partnerin am Anfang gar nicht weiter nachgefragt hat. Da habe ich dann selbst die Hämophilie, im Nachhinein betrachtet, weil es vielleicht einfacher war, nicht weiter thematisiert. Als dann relativ am Anfang der Beziehung eine Blutung auftrat, war die Verwunderung groß. Alles in allem eine sehr unangenehme Situation, weil dann natürlich auch die Frage aufkam, warum ich fast nichts darüber gesagt hatte. Des Weiteren weiß ich auch von einem anderen Hämophilen, der die Erkrankung verheimlicht hat. Es kam raus, weil das Medikament zufällig im Kühlschrank gefunden wurde.

 

Welche Fragen kommen auf?

Das sind Situationen, wo der Zeitpunkt gekommen ist, die Karten auf den Tisch zu legen. Denn je länger man die Hämophilie verheimlicht hat, umso unangenehmer wird es. Denn man weiß ja nicht, wie der Partner reagiert. Eine Partnerschaft mit einem kranken Mann? Kann die Erkrankung an Kinder weitergegeben werden? Was bedeutet Hämophilie im Alltag? Warum wurde da nicht gleich drüber gesprochen? Warum war man nicht offen genug, dieses zu erwähnen? Das alles sind Fragen, die dann eine Beziehung belasten. Das muss nicht sein!

 

Meine Empfehlung

Meine Erfahrung ist ganz klar: Je eher Ihr die Wahrheit sagt umso besser. Denn dann weiß ein Partner gleich, worauf er oder sie sich einlässt. Das klingt natürlich einfach gesagt und ist, gerade wenn man frisch verliebt ist, nicht leicht. Aber wenn der (potentielle) Partner nicht mit der Situation klarkommt, dann ist es besser, dies gleich am Anfang einer Beziehung zu klären. Umso einfacher ist es dann, die Beziehung gar nicht ernst zu intensivieren.

Klar kann es sein, das eine Partnerin kein Verständnis hat. Das ist bei mir auch vorgekommen und das ist dann auch keine leichte Situation. Schließlich macht man zu Recht die Erkrankung dafür verantwortlich, dass es zu keiner Beziehung kommt. Aber ich möchte allen Mut machen, ehrlich zu sein: Es gibt mehr Menschen da draußen mit Verständnis für die Erkrankung, als man vielleicht denkt.

Viel Erfolg wünscht Euch
Euer Sven


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