Impfung mit Hämophilie A

Der lange Weg zur COVID-19-Impfung mit Hämophilie A

Ich bin Miriam und mein Mann Rainer hat schwere Hämophilie A. In diesem Beitrag erzähle ich Euch von unserer ersten COVID-19-Impfung, die wir Ende Juni bekommen haben. Bis dahin war es ein langer Weg.

Menschen mit Hämophilie – eine Risikogruppe?

Im späten Frühjahr 2020 fingen die Diskussionen an, ob Hämophile zur Risikogruppe für COVID-19 gehören und deshalb besonders geschützt werden müssten. Die Patientenorganisation, bei der Rainer Mitglied ist, sprach davon, dass europaweit circa 20 Menschen mit Hämophilie seit Pandemiebeginn verstorben seien. Man hatte zu diesem Zeitpunkt nur sehr wenige Informationen über die eigentliche Todesursache. Natürlich habe ich mir Sorgen um meine Familie gemacht. Rainer hatte so gut wie alle persönlichen Treffen abgesagt, sich mit Freunden nur virtuell getroffen und von seinem Arbeitgeber war seit März 2020 für fast alle Mitarbeiter:innen Homeoffice vorgesehen. Aber die Unsicherheit blieb. Ich selbst hatte nur sehr wenige Kontakte. Unser Sohn hatte durch die Kita noch die meisten Kontakte in unserer Familie.

Und so lief das eine ganze Zeit: Überall vorsichtig sein und persönliche Treffen nach Möglichkeit vermeiden. Dazu kam noch, dass unser Sohn zwischenzeitlich zwei Wochen wegen zwei Corona-Fällen in seiner Kita in häusliche Quarantäne musste.

Was Hämophilie und COVID-19 betraf, hieß es dann: Wenn bei Hämophilen keine Zusatzerkrankungen bestehen, gehören sie nicht zur Risikogruppe. Hämophile Arthrose oder frühere therapierte Lebererkrankungen gehören nicht zu den Zusatzerkrankungen. Die Nachricht fand ich nicht wirklich beruhigend.

Aussicht auf Impfung

Im Juni 2021 kam das Angebot von Rainers Arbeitgeber, dass sie für alle Mitarbeiter:innen Impfstoff bestellen und die Betriebsärzte und -ärztinnen impfen würden. Falls etwas an Impfstoff übrig bleiben würde, könnten sich auch die Familienmitglieder der Mitarbeiter:innen impfen lassen, hieß es.

Auf einmal ging alles ganz schnell. Einen Tag nachdem die Impftermine für Rainers Kolleg:innen feststanden, wurden auch die Termine für die Angehörigen vergeben. Am Tag der Impfung und auch den Tag davor war ich ziemlich unruhig. Mir gingen viele Fragen durch den Kopf: Bekommen wir Nebenwirkungen zu spüren? Wenn ja, wie lange? Wie wirkt sich die Impfung auf Rainer aus? Wird er unmittelbar nach der Impfung etwas spüren? Schließlich mussten wir noch über 45 Minuten nach Hause fahren – mit der Hoffnung, dass nicht noch Staus, Unfälle und verengte Fahrbahnen auf uns warteten.

Rainer hat sich gefragt, wie er die Impfung vertragen wird und ob danach eine Blutung entstehen könnte. Außerdem war er sich unsicher, ob die Betriebsärzte und -ärztinnen mit der Hämophilie vertraut sind und unter diesen Umständen bereit wären, zu impfen. Bei der Vorbereitung war auch die Infobroschüre hilfreich, die Rainer von seiner Patientenorganisation geschickt bekam. Dort war beschrieben, was zu beachten ist. Außerdem hat er sich bei seinem Hämophilie-Zentrum informiert, ob es bei dem Impfstoff und seinem Medikament zu Wechselwirkungen kommen kann. Damit war nicht zu rechnen.

Impfung und Impffolgen

Rainer und ich haben am gleichen Tag die erste Impfung im Firmengebäude seines Arbeitgebers erhalten. Ich bin ganz glücklich darüber, dass es so kam. Die Atmosphäre im Firmengebäude war sehr ruhig. Ein großer Meetingraum mit großen geschwungenen Tischen, gemütlichen Stühlen und einigen flauschigen Teppichen diente als Warte- und Beobachtungsraum. Die Impfung selbst fand in kleinen Nebenräumen statt und die Betriebsärzte und -ärztinnen haben mit Gesprächen versucht, von der Nadel abzulenken.

Bei Rainer holte man vorsichtshalber mehr Tupfer, trotz seines Hinweises, dass er sich Konzentrat gespritzt hatte. Die zusätzlichen Tupfer waren nicht nötig. Sonst hätte er wohl auch beim Spritzen seines Konzentrates jedes Mal einen Berg an Tupfern benötigt und das seit einem halben Jahrhundert. Dafür bekam er von der Impfung eine leichte Muskelblutung am Oberarm. Diese verursachte für zwei Tage Schmerzen vom Oberarm bis in die Hand. Das wiederum sorgte dafür, dass er in seiner Bewegung kurzzeitig eingeschränkt war. Nach einer Woche war Rainers „Impfblutung“ am Oberarm wieder weg.

Wir sind froh, dass wir nun beide geimpft sind. Dadurch fühlen wir uns etwas beruhigt und sicherer. Wir sind Rainers Arbeitgeber dankbar, dass dieser die Impfung so schnell und professionell organisiert und durchgeführt hat. Denn auch die zweite Impfung vier Wochen später haben wir dort bekommen.

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