Hämophilie und Sex: PROBE-Studie ermittelt Beeinflussung

Hämophilie kann die Lebensqualität von Betroffenen einschränken, besonders wenn es zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen der Gelenke kommt. Doch beeinflusst Hämophilie auch das Sexualleben?

Hämophilie kann die Lebensqualität von Betroffenen einschränken, besonders wenn es zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen der Gelenke kommt. Aber beeinflusst Hämophilie auch das Sexualleben der Betroffenen? Diese Frage hat sich ein Team von Wissenschaftlern gestellt und die Studie mit dem Titel „Sexual Health in Patients with Hemophilia; The Insights from the Patient Reported Outcomes, Burdens and Experiences (PROBE) Study", durchgeführt. Das bedeutet sinngemäß übersetzt „PROBE-Studie zur sexuelle Gesundheit von Patienten mit Hämophilie: Einblicke in Auswirkungen, Belastungen und Erfahrungen aus Sicht der Patienten“. Die Ergebnisse der Studie wurden im Dezember 2017 in der Zeitschrift der amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie, „Blood“ veröffentlicht. Sie zeigen: Es besteht eine Beeinflussung zwischen Hämophilie und Sex.

Sexuelle Aktivität kann bei Hämophilie problematisch sein

Das Team aus kanadischen, irischen und amerikanischen Wissenschaftlern untersuchte den Einfluss von Hämophilie auf die sexuelle Aktivität und den allgemeinen Gesundheitszustand der Probanden. Dazu legten sie den Teilnehmern einen 29 Fragen umfassenden Fragebogen, die PROBE-Umfrage, vor. Das Hauptanliegen der Studie bestand darin, den Hämophilie-Patientenorganisationen Daten über den Gesundheitszustand und die Lebensqualität der Patienten zu Verfügung zu stellen. Diese wollen die Organisationen nutzen, um Versorgung und Behandlung von Menschen mit Hämophilie zu verbessern.

Insgesamt 807 Personen, davon 76 Prozent männlich, aus sechs unterschiedlichen Ländern nahmen an der Studie teil. Unter den Teilnehmern waren 475 Menschen mit Hämophilie A, 76 mit Hämophilie B und 256 ohne Hämophilie als Kontrollgruppe. Das Durchschnittsalter betrug in der Hämophilie-Gruppe 33 Jahre und in der Kontrollgruppe 43 Jahre.

Die Wissenschaftler fragten die Teilnehmer unter anderem, ob diese Probleme mit sexueller Intimität hätten. Anschließend untersuchten sie den Zusammenhang zwischen Krankheitsausprägung und sexueller Gesundheit. Zusätzlich ermittelten die Wissenschaftler auch den allgemeinen Gesundheitszustand der Teilnehmer.

Risikofaktoren für sexuelle Schwierigkeiten

Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen mit Hämophilie eher Probleme mit sexueller Intimität aufweisen (14,3 %) als die Teilnehmer der Kontrollgruppe (6,25 %). Schwierigkeiten mit sexueller Intimität stehen laut der PROBE-Studie auch mit folgenden gesundheitlichen Ereignissen in Verbindung:

  • Mehr als 10 Blutungsepisoden im vergangenen Jahr
  • Blutungen in den vorherigen zwei Wochen
  • Eingeschränkte Beweglichkeit der Gelenke
  • Lebensbedrohliche oder extremitätengefährdende Blutungen

Umgekehrt ließ sich mangelhafte sexuelle Gesundheit außerdem durch fortgeschrittenes Lebensalter, mehr als zehn Blutungsepisoden oder lebensbedrohliche oder extremitätengefährdende Blutungen im Vorjahr voraussagen. Zudem war der PROBE-Score bei Teilnehmern mit sexuellen Schwierigkeiten höher. Dies deutet auf einen schlechteren allgemeinen Gesundheitszustand dieser Teilnehmer (4.70 Punkte) verglichen mit denen mit normalem Sexualleben (3.07 Punkte) hin.

Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung kommt es bei Menschen mit Hämophilie also häufiger zu Problemen in puncto sexuelle Aktivität. Das Fazit der Forscher: „Die sexuelle Gesundheit sollte bei allen Erwachsenen mit Hämophilie routinemäßig untersucht werden“.


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Quelle: Chai-Adisaksopha C. et al.: Sexual Health in Patients with Hemophilia; The Insights from the Patient Reported Outcomes, Burdens and Experiences (PROBE) Study. Blood 2017; 130:2141; http://www.bloodjournal.org/content/130/Suppl_1/2141?sso-checked=true

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