Hört bei Hämophilie die Freundschaft auf?

Hämophilie A und Freundschaft

Wie versprochen ist hier nun der zweite Teil meines Blog-Beitrags zum Thema „Hämophilie und Freundschaft“. Hier erfahrt Ihr, wie es mir erging, als ich meinem besten Freund von meiner Erkrankung erzählte. Mit der bangen Frage: Hört bei Hämophilie die Freundschaft auf? Viel Spaß beim Lesen! :)

Die Stunde der Wahrheit

Ich hatte beschlossen, meinem besten Freund von der Hämophilie zu erzählen. Vorher überlegte ich mir natürlich ganz genau, wie man das am besten erklären kann, ohne dass sich dadurch das Verhältnis ändern könnte. Dabei merkte ich relativ schnell, dass die Krankheit eigentlich gar nicht so schlimm ist, wenn man sie logisch erklärt. Außerdem kannte mich dieser Mensch seit Jahren. Er müsste eigentlich wissen, dass die Krankheit nur halb so wild und im Alltag kaum bemerkbar ist, solange man sich nicht verletzt. Nach diesen Vorüberlegungen nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und erzählte meinem besten Kumpel zum ersten Mal von meiner Krankheit. Die Reaktion war zwiespältig. Zum einen konnte er nicht fassen, dass ich so eine schlimme Krankheit hatte. Zum anderen war das besonders überraschend für ihn, weil man mir überhaupt nichts anmerkte und ich in seinen Augen ganz normal war. Als wäre ich ein normaler gesunder Junge, so wie alle anderen aus dem Freundeskreis auch. Ich merkte aber anhand seiner Reaktion, dass er vermutlich etwas Zeit brauchen würde, um darüber nachzudenken und alles zu verdauen. Also gab ich ihm etwas Zeit.

Das Wiedersehen

Nach dem Gespräch mit meinem besten Freund vergingen einige Tage. Er meldet sich nicht bei mir und ich mich daher auch nicht bei ihm. Irgendwann kam es dann doch zum Treffen und ich merkte relativ schnell, dass er komisch zu mir war. Er wusste eben nicht, wie er damit umgehen soll. Aber je mehr Zeit verging, desto mehr kamen wir wieder ins Gespräch. Irgendwann lachten wir wieder alle zusammen, machten Blödsinn und es war so wie immer. Ich habe die Gelegenheit natürlich genutzt und ihn später unter vier Augen gefragt, was ihm durch den Kopf ging und was er über die ganze Sache dachte. Er erzählte mir dann, dass es natürlich blöd für ihn wäre, da er jetzt jedes Mal das Gefühl hätte, als müsste er irgendwie auf mich aufpassen. Gerade wenn man Fußball spielt oder andere Dinge unternimmt, wo man sich schneller verletzten kann. Alles in allem bin und bleibe ich aber sein bester Freund. Mit der Zeit wurde es irgendwann wieder so, als wäre nie etwas gewesen. Die Freundschaft hatte also nicht darunter gelitten. Ganz im Gegenteil, dadurch wurden wir sogar noch bessere Freunde.

Dem besten Freund von der Hämophilie erzählen – mein Fazit

Ich habe in meinem Leben viele Menschen getroffen, die alle anders mit der Krankheit umgegangen sind. Während mich manche Menschen für meine Ehrlichkeit schätzten, gab es auch genauso viele, die mich aufgrund meiner Krankheit mieden. Es kommt immer drauf an, welche Verbindung man zu dem Menschen hat, wie reif der Mensch ist und vor allem, wie man es dem anderen erzählt. Was ich aber mit absoluter Sicherheit sagen kann, ist: Je älter und reifer der Mensch ist, desto besser kann er die Krankheit akzeptieren. Letztendlich muss jeder für sich wissen, wem man es erzählen möchte und wem nicht. Diese Entscheidung muss man auch treffen, wenn man sich irgendwann auf eine neue Arbeitsstelle bewirbt. Aber dazu werde ich in einem anderen Blog-Beitrag mehr erzählen.


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