Die elektronische Patientenakte – Fluch oder Segen?

Einführung der elektronischen Patientenakte

Die Digitalisierung verändert unser Leben in allen Bereichen. Auch das Gesundheitssystem kann von dem Einsatz digitaler Technologien profitieren. Um eine sichere digitale Kommunikation im Gesundheitswesen zu ermöglichen, hat das Gesundheitsministerium das „E-Health-Gesetz“ verabschiedet. Die elektronische Patientenakte ist ein Beispiel dafür, wie ein digitales Medium mehr Transparenz für Ärzte und Patienten schaffen und die Qualität der medizinischen Versorgung erhöhen kann.

 

Was ist eine elektronische Patientenakte?

Eine elektronische Patientenakte dokumentiert alle Patientendaten in elektronischer Form. Dazu gehören Diagnosen, Behandlungsdaten, Medikamente, Vorerkrankungen oder Allergien gegen bestimmte Medikamentenwirkstoffe. Ein zentraler Vorteil der elektronischen Patientenakte ist, dass sie Schnittstellen zwischen Ärzten, Kliniken sowie anderen Akteuren des Gesundheitswesens überbrücken soll. So stehen jedem, der an der Behandlung eines Patienten beteiligt ist, die gleichen Informationen zur Verfügung. Das bedeutet, dass Dein Hausarzt und Dein Orthopäde den gleichen Wissensstand über Deine Patientengeschichte haben wie Dein Zahnarzt und Hämophiliebehandler.

 

Die Vorteile der elektronischen Patientenakte

In der elektronischen Patientenakte können sich alle Beteiligen übergreifend informieren und beispielsweise auf Untersuchungsergebnisse zugreifen. So lässt sich etwa vermeiden, dass ein Röntgenbild zweimal angefertigt wird. Die Vernetzung bringt nicht nur wirtschaftliche Vorteile mit sich, sondern ermöglicht auch ein ganzheitliches Behandlungskonzept. Auch Patienten sollen ab 2019 auf das Patientenfach ihrer Akte zugreifen können.

 

Lebensrettend: Elektronische Patientenakte bei Hämophilie A

Die elektronische Patientenakte kann auch im Fall von Hämophilie A Leben retten. Im Fall einer Notoperation oder sonstiger Eingriffe sollte der behandelnde Arzt unbedingt von Deiner Hämophilie A erfahren und wissen, welche Medikamente zur Prophylaxe oder im Falle einer Blutung zum Einsatz kommen. Mithilfe der elektronischen Patientenakte ist es möglich, alle wichtigen Informationen über den Patienten schnell einzuholen.

 

Herausforderungen bei der Entwicklung

Wie in allen Fällen, bei denen es um die Speicherung sensibler Daten geht, erfordert auch die elektronische Patientenakte einen hohen Sicherheitsstandard. Schließlich soll niemand Unbefugtes auf Deine Patientendaten Zugriff erhalten. Dafür müssen aktuell noch die notwendigen Voraussetzungen, eine sogenannte Telematikinfrastruktur, geschaffen werden. Diese ist vergleichbar mit einer digitalen Datenautobahn, die Arztpraxen und Krankenhäuser miteinander verbindet und so den Austausch erleichtert. Da mehr als 70 Millionen Versicherte in Deutschland involviert sind, kommt das Projekt nur schrittweise voran. Mit der elektronischen Gesundheitskarte gelang der erste Schritt.

Ab 2018 plant die Techniker Krankenkasse (TK) eine elektronische Patientenakte für ihre zehn Millionen Versicherten einzuführen, die in Zusammenarbeit mit IBM entstanden ist. Perspektivisch soll die Akte auch anderen Krankenkassen angeboten werden. Damit könnte die Grundlage für eine deutschlandweite Datenbank entstehen, mit der eigentlich die IT-Gesellschaft Gematik beauftragt wurde. Noch hat diese kein verwertbares Ergebnis vorgestellt.


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