aPTT – Was ist das eigentlich?

Was ist aPTT?

Bei der Diagnose und Behandlung von Hämophilie A wird regelmäßig geprüft, wie gut das Blut gerinnt, insbesondere auch in Notfallsituationen. Dies geschieht mit Hilfe bestimmter Labortests. Sie geben Aufschluss darüber, wie stark die Blutgerinnung beeinträchtigt ist. Außerdem lässt sich dadurch schließen, welche Gerinnungsfaktoren ihrer Aufgabe nicht oder nicht ausreichend nachkommen. Der Laborparameter, der für diese Bestimmung wichtig ist, ist die aktivierte partielle Thromboplastinzeit. Diese wird als aPTT (engl.: activated partial thromboplastin time) abgekürzt. Manchmal spricht man auch von der partiellen Thromboplastinzeit (engl.: partial thromboplastin time, kurz PTT). Da sich die beiden Zeiten nur geringfügig in der Messmethode unterscheiden, werden die Begriffe häufig gleichwertig verwendet.

Was misst die aPTT?

Durch die aktivierte partielle Thromboplastinzeit wird die Gerinnungsfähigkeit des Blutes gemessen. Genauer gesagt, wird die Zeit gemessen, die das Blut braucht, bis es einen Klumpen oder Pfropf bildet. Mit der aPTT lässt sich die Funktionsfähigkeit fast aller Gerinnungsfaktoren ermitteln – außer der von Faktor VII (Gewebsfaktor) und Faktor XIII (fibrinstabilisierender Faktor). Sobald einer der anderen Gerinnungsfaktoren seiner Aufgabe nicht ordnungsgemäß nachkommt, verlängert sich die Zeit, die das Blut braucht, um zu verklumpen. Diese längere Zeitspanne wird dann direkt in einem höheren Wert der aPTT deutlich.

Wie funktioniert der aPTT-Test?

Um die aPTT zu messen, wird dem Patienten Blut abgenommen und in ein spezielles Röhrchen überführt. Das Röhrchen ist auf der Innenseite mit Citraten ausgestattet. Die Citrate ziehen im Blut befindliches Calcium an und halten es fest. So schwimmt es nicht mehr im Blut und sorgt nicht dafür, dass das Blut sofort zu gerinnen beginnt.

Sobald die Zeitmessung für den Test starten soll, löst man die Gerinnungskaskade aus. Dafür gibt man bestimmte Substanzen zur Blutprobe, die die Blutgerinnung aktivieren. Währenddessen misst man die aPTT, also Zeit, die verstreicht, bis das Blut im Röhrchen verklumpt. Normalerweise dauert dies bei Erwachsenen im Durchschnitt etwa 35 Sekunden. Ist die Zeit im Vergleich zu einer normalen Blutgerinnung länger, kann die Blutgerinnung gestört sein.

Wodurch kann die aPTT verlängert sein?

Dafür gibt es unterschiedliche Gründe, etwa bestimmte Mängel an funktionsfähigen Blutgerinnungsfaktoren wie zum Beispiel Hämophilie A oder Hämophilie B. Allerdings kann auch ein Vitamin-K-Mangel dafür verantwortlich sein, dass das Blut nicht normal gerinnen kann und die aPTT verlängert ist. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente, wie blutverdünnende Mittel und  Gerinnungshemmer, kann Gerinnungstests beeinflussen.

Wann wird die aPTT getestet?

Die aPTT wird gemessen, wenn der Verdacht auf eine Blutgerinnungsstörung vorliegt, aber auch bei bekannter Blutgerinnungsstörung: beispielsweise um zu testen, ob die Therapie einer Erkrankung richtig dosiert ist. Außerdem wird die aPTT bei Notfällen oder vor chirurgischen Eingriffen bestimmt. Nur so gehen Ärzte sicher, dass das Blut nicht zu stark oder zu wenig gerinnt. Denn eine zu starke Gerinnung könnte zu Blutgerinnseln führen. Eine zu schwache Blutgerinnung kann, wie im Fall von Hämophilie A, langwierige oder spontane Blutungen verursachen. Vor allem in Notfällen und bei Operationen ist es deshalb wichtig, dass der aPTT-Test zuverlässige Ergebnisse liefert.

Menschen mit Blutgerinnungsstörungen sollten deshalb ihre Ärzte über alle Medikamente, die sie nehmen, informieren – besonders über solche, die die Blutgerinnung oder die Aussagekraft von aPTT-Tests beeinflussen. Am besten ist es, einen Notfallausweis mit allen wichtigen Informationen bei sich zu tragen. So können die behandelnden Ärzte jederzeit das zuständige Hämophilie-Zentrum kontaktieren um Methoden zur Gerinnungsmessung und Laborergebnissen zu besprechen.


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Quellen:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK507772/#
https://amboss.miamed.de/wissen/Blutstillung_und_Blutgerinnung#
http://www.medizinfo.de/labormedizin/gerinnungsdiagnostik/ptt_aptt.shtml
https://www.aerzteblatt.de/pdf/104/21/a1489.pdf
https://www.medizinus.info/2014/03/23/blutgerinnung-quick-inr-ptt/

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