Der AIDS-Skandal und was wir daraus gelernt haben

Rote Aids SchleifeEtwa 88.400 Menschen in Deutschland tragen das HI-Virus (Humanes Immundefizienz-Virus = HIV) in sich. Eine HIV-Infektion kann nach einiger Zeit zur Immunschwäche AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome) führen. AIDS und Hämophilie A verbindet eine traurige Geschichte: Aufgrund fehlender Kontrollen bei Blutprodukten infizierten sich in den 1980er Jahren mehr als 1.500 Menschen mit Hämophilie A in Deutschland mit dem HI-Virus. Etwa jeder zweite Patient war davon betroffen.  

AIDS und Hämophilie A

Grund für die massenhafte Ausbreitung von HIV waren verunreinigte Blutkonserven. Damals wurde der fehlende Blutgerinnungsfaktor aus menschlichem Blutplasma hergestellt. 90 Prozent der Faktorpräparate stammten aus den USA. Dort durften auch sogenannte Risikogruppen wie Homosexuelle, Prostituierte und Drogenabhängige Blut spenden. Über die daraus gewonnenen Faktorkonzentrate steckten sich zahlreiche Hämophilie A Patienten mit virusübertragbaren Krankheiten wie Hepatitis und HIV an.  

Maßnahmen zum Patientenschutz vor HIV

Erst 1978 wurde ein Verfahren entwickelt, um Viren in Blutprodukten  abzutöten. Das sogenannte Hitzeinaktivierungsverfahren ist zwar aufwendig, kann aber sogar HI-Viren außer Gefecht setzen. Seit Mitte der 80er Jahre ist das Hitzeaktivierungsverfahren bei Blutprodukten vorgeschrieben und Blutspenden müssen auf HIV getestet werden.  

Erste Hinweise ernst nehmen

Auch wenn es einige Zeit in Anspruch genommen hat, bis sich elementare Regelungen änderten – der AIDS-Skandals hat zum Umdenken bewegt. Zum einen hat er dafür sensibilisiert, wie wichtig es ist, bereits erste Warnhinweise ernst zu nehmen. Zum Beispiel traten in den USA zu Beginn der 1980er Jahre bereits einige HIV-Fälle unter den Blutern auf. Immerhin hätte man durch frühzeitiges Reagieren fast 75 Prozent der HIV-Infektionen bei Menschen mit Hämophilie A umgehen können. Zum anderen haben die Geschehnisse gezeigt, wie wichtig wirksame Kontrollen sind: Gerade im Umgang mit Blut und Blutprodukten wurden strengere Regelungen eingeführt, um die Patienten zu schützen. Außerdem sind inzwischen Mitglieder der Hämophilie-Patientenorganisationen in wichtigen Gremien des Gesundheitswesens vertreten. Auf diese Weise können sie bei grundlegenden Beschlüssen mitentscheiden. Es sind also alle gefragt, aktuelle Entwicklungen wachsam zu beobachten und sich zu engagieren: Staat, Pharmaunternehmen und Patienten.   Hast Du Fragen, Anregungen oder Kritik? Dann schreibe uns gerne eine E-Mail über das Kontaktformular. Wir melden uns schnellst möglich zurück.

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