Halbvoll oder halb leer: Halbwertszeit von Arzneimitteln

Halbwertszeit von Medikamenten

Für die Wirkdauer eines Medikamentes spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Einer dieser Faktoren ist die Halbwertszeit. Und die schauen wir uns jetzt einmal genauer an.

Was rein kommt, geht auch wieder raus

Wenn wir unserem Körper Arzneimittel zuführen, dann macht es sich der Körper zur Aufgabe, diese früher oder später wieder los zu werden. Dazu hat er verschiedene Möglichkeiten, die alle darauf hinaus laufen, dass der Arzneistoff abgebaut und /oder über den Darm oder die Niere ausgeschieden wird. Es gibt jedoch einen Unterschied bezüglich der Zeit, die der Körper braucht, um das Arzneimittel auszuscheiden. Und diese stellt man über die Halbwertszeit fest. Vereinfacht gesagt misst man, wann nur noch die Hälfte von dem, was man zugeführt hat, im Körper vorhanden ist. Die Halbwertszeit kann von Arzneimittel zu Arzneimittel sehr unterschiedlich sein und von einigen Minuten bis zu mehreren Tagen und Wochen reichen.

Halbwertszeit und Wirkdauer

Die Halbwertszeit ist zwar nicht identisch mit der Wirkungsdauer eines Medikaments, gibt bei vielen Arzneistoffen aber einen wichtigen Hinweis auf das notwendige Dosierungsintervall. Um einen gleichmäßigen Spiegel eines Arzneistoffes im Körper zu erreichen, müssen Medikamente mit einer kurzen Halbwertszeit in der Regel häufiger angewandt werden, als Medikamente mit einer langen Halbwertszeit. Ist ja auch logisch: Wenn ein Arzneistoff schnell wieder aus dem Körper ausgeschieden wird, muss rascher nachgefüllt werden, damit die Wirkung erhalten bleibt. Deshalb können Arzneimittel mit langer Halbwertszeit bei Krankheiten, die eine dauerhafte Behandlung erfordern, Vorteile haben. Aber warum ist es wichtig, einen gleichmäßigen Spiegel eines Arzneistoffes zu erhalten?

Medikamentenspiegel und Wirkung

Die Wirkung eines Arzneimittels hängt von der Dosierung ab. Ein gewisser Medikamenten-Spiegel ist notwendig, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Ist der Spiegel zu gering, bleibt die Wirkung aus, ist er zu hoch, kann dies zu Nebenwirkungen führen.

In der Hämophilie A spielt die Aufrechterhaltung eines gewissen Medikamentenspiegels eine wichtige Rolle. Menschen mit Hämophilie A haben zu wenig Gerinnungsfaktor VIII. Deshalb werden zum Teil Medikamente eingesetzt, die Faktor VIII enthalten. Damit die funktionieren, muss immer ein gewisser Spiegel im Blut vorhanden sein. Ist er zu niedrig, reicht die Faktor VIII-Aktivität nicht mehr aus, um Blutungen zuverlässig zu vermeiden. Viele Faktor VIII-Präparate haben jedoch eine relativ kurze Halbwertszeit. Dazu kommt, dass sie direkt in die Vene gespritzt werden. Direkt nach der Verabreichung ist der Spiegel deshalb hoch, nimmt aber durch den Abbau relativ rasch wieder ab. Das Ergebnis: ein schwankender Medikamentenspiegel. Medikamente mit einer längeren Halbwertzeit können eingesetzt werden, um ausgeglichenere  Medikamentenspiegel zu erzielen und um weniger häufig spritzen zu müssen. Inzwischen gibt es in der Hämophiliebehandlung Medikamente mit unterschiedlichen Halbwertszeiten, die von mehreren Stunden bis hin zu mehreren Wochen reichen können.


Hast Du Fragen, Anregungen oder Kritik? Dann schreibe uns gerne eine E-Mail über das Kontaktformular. Wir melden uns schnellstmöglich zurück


Quellen:

Pschyrembel online; abgerufen am 10.07.2019 über https://www.pschyrembel.de/Halbwertszeit/K09CV/doc/

Christine Greiner. Eliminationshalbwertszeit – wie schnell die Plasmakonzentrationeiner Substanz sinkt. NeuroTransmitter 5/2011

Victor Jiménez-Yuste, Günter Auerswald, Gary Benson, Thierry Lambert, Massimo Morfini, Eduardo Remor, Silva Zupancic Šalek. Achieving and maintaining an optimal trough level for prophylaxis in haemophilia: the past, the present and the future. Blood Transfusion, 2014, 12, pp. 314-319

Österreichische Apothekerkammer. Arzneimittel: Dosis-Wirkungs-Beziehungen; abgerufen am 10.07.2019 über https://cutt.ly/uwdUFhK

Weitere interessante Beiträge