Kein einfaches Los: Hämophilie und Diabetes

Hämophilie und Diabetes

Ich muss leider sagen, dass ich alles an Krankheitsbildern „eingesammelt“ habe, was geht. Nicht nur Hämophilie A und Hepatitis C, sondern auch noch Diabetes. Und das ist bei weitem nicht alles. Doch heute geht es um das Thema „Diabetes“, denn auch diese Erkrankung steht wechselseitig im Zusammenhang mit der Hämophilie.

Mein Diabetes wurde im März 2011 diagnostiziert – aus heiterem Himmel. Ich fühlte mich zum damaligen Zeitpunkt schon ein paar Tage sehr schlapp und ungewöhnlich ausgelaugt. Dazu kam, dass ich alles, was ich an Getränken in die Finger bekam, förmlich „runtergespült“ habe – Mineralwasser, diverse Säfte, Tee – ach, einfach alles Mögliche. Mein Befinden war alles andere als gut, eher komisch. Aber ich dachte mir nichts dabei. Müdigkeit war ständig an der Tagesordnung, genauso wie das Verlangen nach Flüssigkeit.

Diabetisches Chaos pur

Meine Frau sagte dann irgendwann: „Mit Dir stimmt irgendetwas nicht!“ Da wir schon damals ein Blutzuckermessgerät zu Hause hatten, holte sie dieses, pikste mir in den Finger und das Gerät zeigte folgendes an: HIGH!!! Noch einmal entnahmen wir Blut an einem anderem Finger und auch da das gleiche Ergebnis: HIGH!!! Sofort war klar: Der Blutzucker war höher als 500 Milligramm pro Deziliter, denn das war das Limit des Gerätes – und vor allem WEIT über dem Limit meines Körpers. Meine Frau rief schnell meinen Arzt an. Die Dame am Telefon sagte: „Schicken Sie Ihren Mann einfach in die Praxis und dann schauen wir mal!“ Gesagt, getan ... und ein weiteres Elend in meinem Leben nahm seinen Lauf ...

Es war ein langer und schwieriger Weg

Ich kam nach gut drei Stunden nach Hause zurück – ausgepowert, müde, kraftlos, mitgenommen –  und erzählte meiner Frau von der Diagnose des Arztes: Diabetes Typ 2. Der „Knaller“ aber war, dass mich mein Internist trotz eines immens hohen Blutzuckerwertes einfach so gehen ließ. Was mir aber gleich gesagt wurde: „Sie müssen unbedingt Ihr Gewicht reduzieren und Ihre Ernährung umstellen, das ist ganz wichtig bei Diabetes!“ Ich dachte mir im gleichen Moment: „Ja, kann ich ja machen, aber darf ich erstmal wieder einen normalen Blutzucker haben und klar kommen?“

Aus medizinischer Sicht hätte mich mein behandelnder Arzt eigentlich in die stationäre Diabetologie zur Einstellung mit Insulin einweisen müssen. Stattdessen bekam ich ein Rezept über ein weit verbreitetes Medikament zur Diabetesbehandlung. Ich dachte mir: „Super, jetzt kommt alles ins Lot!“ Aber nein, es kam anders als gedacht. Von diesem Medikament bekam ich nach etwa zwei Monaten die ersten Nebenwirkungen: Meine Unterschenkel fingen furchtbar an zu jucken und ich kratzte mich förmlich blutig. Wir versuchten dann, das Jucken mit geeigneten Cremes und Salben in den Griff zu bekommen, aber es war ein langer Weg. Zudem bekam ich auch urologische Probleme, meine Blutzuckerwerte sanken nicht wirklich, meine Abgeschlagenheit und meine Lethargie verschwanden auch nicht.

Mittlerweile wusste aber auch mein damals behandelnder Arzt im Hämophilie-Zentrum von diesem Dilemma und klinkte sich ein. Und das war auch gut so. Denn in dem Hämophilie-Zentrum befand sich eine Abteilung für Diabetologie und dahin wurde ich überwiesen.

Ruckzuck bekam ich einen Termin, ein Gespräch folgte, ebenso wie die Einstellung mit Kurzzeit- und Langzeitinsulin. „Endlich nicht mehr diese Tabletten“ – das war mein erster Gedanke. Nach der Umstellung auf das Spritzen mit Insulin veränderten sich meine Blutzuckerwerte positiv. Auch all jene Nebenwirkungen der Tabletten verschwanden mit der Zeit. Dem Klinikum, in dem sich damals auch mein Hämophilie-Zentrum befand, sei Dank.

Bewusster genießen

Aber auch da sagte man mir, dass ich meiner Gesundheit zuliebe mein Körpergewicht reduzieren müsse. Ja, ganz ehrlich: Ich weiß, dass es mir und meinem Körper immens guttun würde abzunehmen, aber ich bin nun mal ein Genießer. Und mit meinen damaligen 43 und heutigen fast 50 Jahren fällt mir eine Umstellung der Gewohnheiten nicht leicht. Immer wieder versuche ich es, aber dennoch ist es sehr schwer. Zu Hause versuchen wir uns gesund zu ernähren. Manchmal klappt es, manchmal klappt es nicht. Aber da kommt mir eben ab und zu meine Genussleidenschaft dazwischen und ich denke dabei weder großartig an meinen Diabetes noch an meine Hämophilie A.

Im Hinblick auf die Gesundheit sollte man aber konsequent und strikt sein. Denn mit der Reduzierung des Gewichtes reduziert sich auch die Belastung der Gelenke. Und für uns Bluter ist die Entlastung der Gelenke und eine gesunde Lebensweise das A und O. Ich kann jedem (jüngeren) Bluter nur raten: Achtet frühzeitig auf Eure körperliche Verfassung, Eure Lebensweise und das Gewicht. Meine Frau und ich haben uns vorgenommen, künftig auf eine gesündere Lebensweise – gerade in Bezug auf die Ernährung – zu achten. Auch im Hinblick auf meinen Diabetes und die Belastung meiner Gelenke durch die Hämophilie A.


Hast Du Fragen, Anregungen oder Kritik? Dann schreibe uns gerne eine E-Mail über das Kontaktformular. Wir melden uns schnellstmöglich zurück.

Weitere interessante Beiträge

Wie wichtig ist Dir der Austausch mit anderen Menschen, die Hämophilie A haben?
Bitte wählen Sie eine der Antwortmöglichkeiten abstimmen