Therapieoptionen für Menschen mit Hämophilie A

Therapieoptionen bei Hämophilie A


Die erhöhte Blutungsneigung bei Hämophilie A kann auf verschiedenen Wegen behandelt werden. Die innovativen Entwicklungen der letzten Zeit ermöglichen ganz neue Möglichkeiten, um sich vor Blutungen zu schützen. Kennst Du alle Therapieoptionen bei Hämophilie A und ihre Vor- und Nachteile?

Vorbeugen oder Nachsorgen?

Grundsätzlich lässt sich die Therapie der Hämophilie A in die vorbeugende Anwendung der Medikamente und in die Anwendung nur bei Bedarf, also wenn eine akute Blutung vorliegt, unterscheiden. Je nach Ausprägung der Erkrankung sowie Deinen Wünschen und Deinem Lebensstil kannst Du zusammen mit Deinem Arzt die am besten passende Behandlung auswählen.

Dauerhafter Schutz vor Blutungen


Die Wahl der Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Hämophilie und dem persönlichen Blutungsrisiko. Wer gerne aktiv und spontan ist, für den ist bei schwerer Hämophilie A eine vorbeugende Behandlung wichtig. Durch die prophylaktische Anwendung der Medikamente kannst Du Dich weitgehend vor Blutungen schützen. Damit die Präparate die Blutgerinnung dauerhaft unterstützen können, ist eine regelmäßige Anwendung wichtig. Je nach Therapieform musst Du Dir die Medikamente unterschiedlich häufig verabreichen. Es gibt verschiedene Präparate zur intravenösen Anwendung (Injektion in die Vene) und eines, das subkutan (unter die Haut) gespritzt wird.

Bedarfsbehandlung bei Hämophilie A

Kommt es zu einer Blutung, gibt es Präparate, die die Blutgerinnung unterstützen und somit zur Blutstillung führen können. Welche Medikamentendosis Du im Fall einer Blutung benötigst, richtet sich nach Deinem aktuellen Körpergewicht, dem Schweregrad der Hämophilie A sowie der Stärke und Lokalisation der Blutung. Die Behandlung erfolgt natürlich immer nach ärztlicher Vorgabe. Zusätzlich zu den Medikamenten kann es helfen, die betroffene Körperregion zu kühlen und ruhigzustellen.

Medikamentenübersicht bei Hämophilie A

Mithilfe der unten stehenden Übersichtstabellen kannst Du die verschiedenen Therapiemöglichkeiten einfach überblicken und vergleichen. Welche Therapie nutzt Du? Wusstest Du, dass es inzwischen neue Therapieansätze zur Behandlung der Hämophilie A gibt? Ob mit oder ohne Hemmkörperbildung, die Auswahl der Optionen ist in den letzten Jahren größer geworden. Die neuen Therapieformen richten sich noch stärker nach den Bedürfnissen der Patienten und ermöglichen mehr Flexibilität, weniger Zeitaufwand und einen gleichmäßigeren Schutz.


Behandlungsmöglichkeiten für Hämophilie A ohne Hemmkörper

Behandlungs-
methode
Wirkstoff Anwendungs-
häufigkeit
Anwendungs-
art
Zur
Prophylaxe
Behandlung
von akuten
Blutungen
Alter
Antikörper-
therapie
Emicizumab* 1 x pro Woche
oder alle 2 Wochen
oder alle 4 Wochen
Subkutan
(unter die Haut)
Ja Nein Für alle Altersgruppen
geeignet
Faktorersatz-
therapie
aus Plasma
hergestellte
Faktorkonzentrate

Bei akuten
Blutungen nach
Anweisung des Arztes.

2 – 3 x pro Woche

Intravenös
(in die Vene)
Ja Ja Teilweise
erst ab 6 Jahren
geeignet.
  Rekombinante
Faktorkonzentrate

Bei akuten Blutungen
nach Anweisung des Arztes.

Zur Prophylaxe
2 - 3 x pro Woche

Intravenös
(in die Vene)
Ja Ja Teilweise
erst ab 12
Jahren geeignet.
  Rekombinante
Faktorkonzentrate
mit verlängerter HWZ**

Bei akuten
Blutungen nach
Anweisung des Arztes.

Zur Prophylaxe
1 – 2 x pro Woche

Intravenös
(in die Vene)
Ja Ja Teilweise
erst ab 12
Jahren geeignet.

* Geeignet für Menschen mit schwerer Hämophilie A (Faktor VIII < 1 %) mit oder ohne Inhibitoren.

** HWZ = Halbwertszeit

Behandlungsmöglichkeiten für Hämophilie A mit Hemmkörpern

Behandlungs-
methode
Wirkstoff Anwendungs-
häufigkeit
Anwendungs-
art
Zur
Prophylaxe
Behandlung
von akuten
Blutungen
Alter
Antikörper-
therapie
Emicizumab* 1 x pro Woche
oder alle 2 Wochen
oder alle 4 Wochen
Subkutan
(unter die Haut)
Ja Nein Für alle Altersgruppen
geeignet
Bypass-
Präparate
Aktivierter
Faktor VII
Nach Anweisung
des Arztes
Intravenös
(in die Vene)
Ja** Ja Für alle
Altersgruppen
geeignet
  Aktivierte
Prothrombin-
komplexkonzentrate
(aPCC)

Bei akuten Blutungen
nach Anweisung des Arztes.

Zur Prophylaxe
3 x pro Woche

Intravenös
(in die Vene)
Ja Ja Für alle
Altersgruppen
geeignet

* Geeignet für Menschen mit schwerer Hämophilie A (Faktor VIII < 1 %) mit oder ohne Inhibitoren.

** Nur zur Prophylaxe von Blutungsereignissen bei invasiven und chirurgischen Eingriffen.


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