Schmerz lass nach: Umgang mit Schmerzen

Hämophilie A | Umgang mit Schmerzen

Das Leben mit Hämophilie A hat auch Schattenseiten. So hat eine Befragung unter deutschen Hämophilie-Patienten ergeben, dass circa 80 Prozent gelegentlich unter Schmerzen leiden, die Hämophilie bedingt sind. Chronische Schmerzen bei Hämophilie A sind oftmals durch Gelenkschäden (Arthropathien) ausgelöst, die Langzeitfolgen von Gelenkblutungen sein können. Die Zahlen zeigen, dass der medizinische Bedarf in der Behandlung der Hämophilie A trotz des mittlerweile hohen Behandlungsniveaus in Deutschland noch nicht ausreichend gedeckt ist. Jede vermeintlich noch so kleine Blutung kann potenziell langfristig Schäden verursachen. Daher sollte das oberste Ziel der Hämophilie-Behandlung sein, Blutungen zu vermeiden. Grundlage dafür sind ein zuverlässig wirkendes Medikament und das konsequente Einhalten der Therapie. Was jedoch tun, wenn Schmerzen mit Hämophilie A im Alltag zum ständigen Begleiter werden? Dabei können Dir folgende Anregungen helfen.

Den Schmerzen die Stirn bieten & aktiv Hilfe suchen

Untersuchungen aus der Schmerzforschung haben ergeben, dass es wichtig ist, sich eines bewusst zu machen: Du hast die Kontrolle und kannst gezielt etwas gegen Deine Schmerzen tun. Wenn Schmerzen Deinen Alltag beeinträchtigen, dann ist der erste Schritt, Dich an Deinen behandelnden Arzt zu wenden und über die Schmerzen zu sprechen. Er kann die Ursachen abklären und ein auf Deine Bedürfnisse passendes Schmerzmanagement festlegen. Falls Du Medikamente verordnet bekommst, solltest Du diese regelmäßig einnehmen und Dich genau an den Dosierungsplan halten. Dabei kann Dir die richtige Einstellung helfen. Denn Forscher haben Folgendes herausgefunden: Wenn Du erwartest, dass etwas wehtut, dann bewirkt dies auch, dass Du Schmerzen spürst. Im Gegenzug kann aber eine positive Erwartung schmerzlindernd sein. Das heißt, wenn Du beispielsweise daran glaubst, dass ein Medikament schmerzlindernd wirkt, dann unterstützt  bereits Deine positive Einstellung die Herstellung körpereigener Schmerzmittel (wie etwa Endorphine). Folge: Die Schmerzen nehmen ab. In manchen Fällen kann es empfehlenswert sein, zusätzlich einen Schmerzspezialisten aufzusuchen.

Körper und Psyche bei Schmerzen miteinbeziehen

Neben medizinischer Unterstützung können beispielsweise auch Physio-, Elektro- und Ergotherapie dazu beitragen, den Schmerz zu lindern und möglichen Funktionseinschränkungen vorzubeugen. Auch die psychologische Dimension der Schmerzbewältigung muss berücksichtigt werden. Laut der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. kann ein kognitives Training helfen, besser mit dem Schmerz umzugehen. Bei diesem Verfahren trainieren die Betroffenen, die Art und Weise auf Schmerzen zu reagieren. Denn die Gedanken, Gefühle und das Verhalten als Reaktion auf Stress im Alltag können körperliche Schmerzen verstärken. Dazu kommt, dass Schmerzen an sich zu einer Belastung werden können.

Zusätzlich haben Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PM), Achtsamkeitsübungen oder Autogenes Training einen wichtigen Stellenwert beim Umgang mit Schmerzen. Sie fördern die Selbstkontrolle über körperliche Zustände. Dadurch reduziert sich der Eindruck, den Schmerzen ausgeliefert zu sein. Darüber hinaus bewirken Entspannungsverfahren eine Entspannungsreaktion und beruhigen so Körper und Psyche.

Wie Du siehst: Es ist wichtig, dass Du Dich genau an Deinen Therapieplan hältst. So kannst Du Blutungen vermeiden und Schmerzen können erst gar nicht entstehen. 


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Quellen:

Pérez-Moreno, D. P. und Buitrago, C. L. (2017). Pain in hemophilia patients: Assessment and management in a fourth level hospital. Case series. Rev Colomb Anestesiol, 45(2):24-29.

Panning, S. (o. J.). Schmerzambulanz. Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. URL:  https://www.dgss.org/patienteninformationen/netzwerke-der-versorgung/schmerzambulanz/

Wolf, D. (o. J.). Die Psyche beeinflusst den Schmerz. URL: https://www.psychotipps.com/selbsthilfe/koerperliche-schmerzen.html

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