Steuerfreiheit für Obst und Gemüse: Weniger Übergewicht?

Ernährung mit Hämophilie A

Übergewicht und Hämophilie A sind kein gutes Gespann. Denn ein zu hohes Körpergewicht kann die Gelenke belasten und Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Krebs fördern. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse kann das Gewichtsmanagement mit Hämophilie A erleichtern. Doch frische Nahrungsmittel haben ihren Preis. Damit eine gesunde Ernährung nicht an den Kosten scheitert, plädiert ein Privatdozent der Universität Hamburg dafür, Obst und Gemüse von der Mehrwertsteuer zu befreien.

 

Höhere Steuern beeinflussen Konsumverhalten

Grundlage für die Forderung von Dr. Tobias Effertz ist die Auswertung von rund 200 Studien. Demnach können höhere Steuern das Kaufverhalten beeinflussen, indem sie zu einem Preisanstieg führen. Dieser kann dazu führen, dass die Deutschen weniger ungesunde Lebensmittel kaufen. Der Experte erhofft sich durch ein neues Mehrwertsteuersystem positive Auswirkungen auf die Gesundheit, in erster Linie auf das Körpergewicht. Er nimmt an, dass sich so der Anteil stark übergewichtiger Menschen um zehn Prozent senken ließe.

 

Steuersatz von sieben auf null Prozent senken

Aktuell liegt der Mehrwertsteuersatz der meisten Lebensmittel bei sieben Prozent. Für Mineralwasser, Fruchtsäfte und Genussmittel beträgt er 19 Prozent. Um einen positiven Effekt für die Gesundheit zu erzielen, hat Effertz vier verschiedene Szenarien mit jeweils unterschiedlichen Mehrwertsteuersätzen durchgespielt. Davon bewertet die Deutsche Diabetes Gesellschaft das System „Ampel Plus“ als besonders erfolgversprechend. Es basiert auf der Einteilung von Lebensmitteln in „Rot“, „Gelb“ und „Grün“ und „Plus“. In die Kategorie „Plus“ fallen stark zuckerhaltige Softdrinks, auch jene mit Zuckeraustauschstoffen. Sie tragen maßgeblich zur Entstehung von Adipositas bei – mehr noch als Süßigkeiten. Außerdem zeichnet sich das Ampel-Plus-System durch folgende Steuerstaffelung aus:

  • 0 % Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse = „Grün“
  • 7 % Mehrwertsteuer auf normale Lebensmittel wie Nudeln, Milch, Fruchtsaft (ohne Zuckerzusatz) = „Gelb“
  • 19 % Mehrwertsteuer auf Produkte mit viel zugesetztem Zucker, Salz und Fett wie Fertiggerichte, Chips oder Süßigkeiten = „Rot“
  • 29 % Mehrsteuer auf stark zuckerhaltige Softdrinks – sowohl mit Zusatz von Zucker als auch Zuckeraustauschstoffen = „Plus“

 

Daneben schlägt Effertz drei weitere mögliche Regelungen vor. In allen sind Obst und Gemüse von der Mehrwertsteuer befreit. Das System „Restrukturierung“ sieht vor, alle anderen Lebensmittel mit 19 Prozent zu besteuern. In dem „Ampel“-System gilt für Lebensmittel der Ampelkategorien „Grün“ und „Gelb“ ein Steuersatz von sieben Prozent. Für Lebensmittel der Kategorie „Rot“ und Softdrinks liegt er bei 19 Prozent. Das System „Ampel Stern“ sieht sieben Prozent Mehrwertsteuer für Lebensmittel der Ampelkategorie „Grün“ und „Gelb“ vor. Für Lebensmittel der Kategorie „Rot“ sowie Softdrinks veranschlagt es 29 Prozent.

 

Abnehmen durch Regulierung

Die Stellschraube „Mehrwertsteuer“ könnte auch die Problematik „Hämophilie A und Übergewicht“ lösen. Je nach Szenario schätzt Dr. Tobias Effertz, dass Männer aufgrund des veränderten Konsums 1,75 bis 4 Kilo und Frauen bis zu 2,5 Kilo abnehmen könnten. Menschen mit starkem Übergewicht könnten dadurch ebenfalls bis zu 4 Kilo weniger auf die Waage bringen. Nach Meinung des Experten habe Aufklärung einen viel geringeren Effekt.

Dass staatliche Eingriffe wie Steuererhöhungen dem Konsumenten einen Stups in die richtige Richtung geben können („Nudging“), zeigen Beispiele aus dem In- und Ausland. So hat die Erhöhung der Tabaksteuer in Deutschland den Zigarettenkonsum erheblich reduziert. Allerdings ist abzuwägen, ob staatliche Regulierung tatsächlich die Lösung darstellt. Schließlich kannst Du Dich selbst informieren und bist in der Lage, Deine eigene Entscheidung zu fällen – ohne dass Süßigkeiten und Co. per Dekret zum Luxusprodukt werden.


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