Wie ich das Spritzen gelernt habe

Spritzen lernen

In einem meiner Beiträge habe ich bereits davon berichtet, wie ich meiner Tochter die Angst vor dem Spritzen genommen habe. Das gehört zu meinem Alltag, was meine Tochter natürlich mitbekommt.

Aber wie nimmt man sich selbst die Angst vor dem Spritzen und wie ist das für die Eltern hämophiler Kinder? Meine Eltern haben früher mit mir viel darüber gesprochen, wie es für sie damals war. Die erste Zeit nach der Diagnose sind sie immer mit dem Präparat zu den Ärzten gefahren und diese haben mir dann das Medikament verabreicht. Für Eltern eine sehr schlimme Zeit, schließlich müssen sie mehr oder weniger hilflos zusehen, wenn ihr Kind Angst hat. Zwar sind die Eltern dabei, beruhigen das Kind und auch die meisten Ärzte sind sehr einfühlsam, dennoch bedeutet so ein Besuch beim Arzt einfach sehr viel Stress. Umso besser, dass bei der Hämophilie A die Heimselbstbehandlung erlaubt ist. Man muss also nicht zum Arzt gehen, sondern kann sich selbst das Präparat verabreichen.

Meinen Eltern wurde damals gezeigt, wie ich gespritzt wurde, bzw. sie haben es sich immer wieder angeschaut. Schließlich haben sie sich getraut und haben mich selbst gespritzt – ich möchte gar nicht wissen, wie aufgeregt sie dabei gewesen sein müssen. Schließlich will man seinem Kind nicht wehtun. Aber wenn es dann klappt, ist es natürlich eine sehr große Erleichterung für den ganzen Alltag und ich fühlte mich als Kind sicher bei meinen Eltern aufgehoben.

Spritzen lernen in den Ferien

Als ich neun Jahre alt war, kam die Überlegung auf, dass ich das Spritzen selbst lernen sollte. Schließlich wird man älter, will vielleicht mal bei Freunden übernachten etc. Das heißt, es war an der Zeit, mich auch ohne die Eltern spritzen zu können.

Damals habe ich in meinem Zentrum gelernt, mich selbst zu spritzen. Da es recht weit von meiner Heimat entfernt war, haben wir das in den Ferien gemacht. Das heißt, wir machten Urlaub in der Nähe des Zentrums und jeden Morgen ging es dahin. Dort wurde alles unter Aufsicht gelernt: Vom Desinfizieren der Einstichstelle bis zum eigentlichen Injizieren meines Präparates.

Also wurde bei mir das Schöne, der Urlaub, mit dem Notwendigem, dem Spritzen, verbunden. Für mich als Kind eine tolle Zeit und mir nahm die gesamte Situation auch die ganze Angst. Es muss ja nicht immer gleich Urlaub sein, aber vielleicht sind die Schulferien eine gute Idee, weil man dann einfach eine lockere Atmosphäre aufbauen kann.

Ich wünsche Euch jedenfalls viel Glück beim Spritzen lernen.

Euer Sven


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