Wie kommt der Wirkstoff in den Körper?

Wie kommt der Wirkstoff in den Körper

Tabletten, Tropfen, Salbe oder Spritze? Es gibt viele Möglichkeiten, Wirkstoffe in den Körper zu bringen. Aber warum diese Vielfalt und was ist eigentlich am besten? Dazu kannst Du im Folgenden mehr erfahren.

Am Anfang der Entwicklung eines Medikamentes steht die Suche nach einem neuen Wirkstoff für eine bestimmte Erkrankung. Ist ein geeigneter Kandidat gefunden, wird er weiter entwickelt. Dazu gehört auch die Wahl der besten „Verpackung“  für den Wirkstoff: die Darreichungsform. Erst mit der Darreichungsform, einer Kombination aus Wirkstoffen und Hilfsstoffen, entsteht das eigentliche Medikament. Also einfach den Wirkstoff nehmen, eine Tablette daraus pressen und fertig?

Warum man Medizin nicht immer schlucken kann

So einfach ist es nicht. Die Darreichungsform muss ganz gezielt zum Wirkstoff und zu der Erkrankung passen, die man behandeln möchte. Sie soll den Zielort im Körper erreichen, an dem sie wirken soll, ohne vorher abgebaut oder ausgeschieden zu werden.

Es gibt zum Beispiel Wirkstoffe, die durch den Magensaft zerstört werden. Ein spezieller Überzug auf einer Tablette kann dann dafür sorgen, dass sie sich erst im Dünndarm auflöst. Funktioniert das nicht, muss der Wirkstoff auf eine andere Art und Weise in den Körper gebracht werden, beispielsweise als Zäpfchen oder Injektion. Manche Darreichungsformen sorgen dafür, dass der Wirkstoff nach der Einnahme des Medikaments nicht sofort, sondern über viele Stunden verteilt ins Blut übertritt. Das kann die Wirkung verlängern, aber auch Nebenwirkungen vermindern.

Bei der Wahl der geeigneten Darreichungsform wird ebenfalls in Erwägung gezogen, wie schnell und zuverlässig der Wirkstoff die Stellen des Körpers erreicht, an denen er wirken soll. So wird grundsätzlich entschieden, ob der Wirkstoff nur örtlich begrenzt zur Verfügung stehen und wirken soll, oder systemisch, das heißt im ganzen Körper.

Eine Darreichungsform – mehrere Anwendungsmöglichkeiten

Manche Darreichungsformen kann man auf verschiedene Art und Weise anwenden, der Mediziner sagt applizieren. Eine Tablette kann man schlucken, kauen, lutschen oder auch einfach im Mund zergehen lassen. Es wird selbstverständlich immer angegeben, wie man ein Medikament verwendet und meist auch in der Bezeichnung näher beschrieben, also zum Beispiel „Kautablette“ oder „Lutschtablette“.

Auch Injektionslösungen können unterschiedlich angewendet werden. Sie werden injiziert, das heißt in den Körper gespritzt. Die häufigsten Formen sind die subkutane Injektion, also das Spritzen unter die Haut, die intramuskuläre Injektion, bei der die Lösung in den Muskel gespritzt wird, und die intravenöse Injektion, direkt in die Vene. Mit allen drei Anwendungsarten steht der Wirkstoff systemisch, also im oder über das Blut zur Verfügung.

Welche Darreichungsformen gibt es?

Darreichungsformen werden auch als Arzneiformen bezeichnet. Man unterteilt sie in feste, halbfeste, flüssige und gasförmige Arzneiformen sowie spezielle Arzneiform -„Systeme“. Hier einige Beispiele:

Feste Arzneiformen: Tabletten, Dragees, Kapseln, Pulver, Granulate

Halbfeste Arzneiformen: Salben, Zäpfchen, Gele, Emulsionen

Flüssige Arzneiformen: Säfte, Tropfen, Injektions- und Infusionslösungen

Gasförmige Arzneiformen: Aerosole, Inhalate

Spezielle Arzneiformen: Wirkstoffpflaster, Wirkstoffimplantate

Ganz wichtig ist: Die Darreichungsform soll auch dem Patienten gerecht werden. Tabletten in einer Größe, die man nicht mehr schlucken kann? Geht nicht. Sirup, der so bitter ist, dass man ihn mit Sicherheit kein zweites Mal einnimmt? Macht einfach keinen Sinn.

Ziel der Darreichungsform: möglichst unkompliziert für die Patienten

Bei der Herstellung von Arzneimitteln wird immer versucht, den Wirkstoff so zu verpacken, dass seine Anwendung für den Patienten möglichst angenehm ist. Die Behandlung mit Antikörpern, die mittlerweile für viele Anwendungsbereiche, wie entzündliche Gelenkerkrankungen, bei Krebserkrankungen oder Asthma zur Verfügung steht, wurde am Anfang vor allem per Infusion in die Vene durchgeführt. Den Galenikern – so heißen die Fachleute für die „Verpackung“ von Wirkstoffen – ist es gelungen, als Alternative Lösungen zur subkutanen Injektion herzustellen. Das ermöglicht Patienten und Ärzten in vielen Fällen eine deutlich schnellere und angenehmere Behandlung bei gleicher Wirksamkeit.

Egal welche Darreichungsform man bevorzugt oder welche Darreichungsform eine bestimmte Erkrankung oder ein Wirkstoff notwendig macht: Man kann sicher sein, dass die Wirksamkeit und Sicherheit von Wirkstoff plus „Verpackung“ für das jeweilige Anwendungsgebiet eingehend geprüft ist.

Welche Darreichungsform bevorzugst Du? Hast auch Du schon mal über einen Wechsel nachgedacht? In der Hämophilie entwickeln sich die Therapien stetig weiter. Sprich mit Deinem Arzt über Deine Optionen!


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Quellen

vfa. Die forschenden Pharma-Unternehmen. Klinische Studien zur Erprobung neuer Medikamente. 28. Dezember 2016. Abgerufen über https://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/so-funktioniert-pharmaforschung/klinische-studien-uebersicht.html

vfa. Die forschenden Pharma-Unternehmen. So entsteht ein neues Medikament. 7. Februar 2018. Abgerufen über https://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/so-funktioniert-pharmaforschung/so-entsteht-ein-medikament.html/_1

Ehnert S. Arzneiformen. Pschyrembel online. Februar 2018. Abgerufen unter https://www.pschyrembel.de/Arzneiformen/K0309

https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Paracetamol_298 (zuletzt abgerufen am 14.06.2019)

Roche. Medienmitteilung. 28. März 2014. Abgerufen unter https://www.roche.com/de/media/releases/med-cor-2014-03-28.htm

Holger Neye.  Monoklonale Antikörper. Ximab, Zumab und Umab als Arzneimittel. Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 43/2006; abgerufen über https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-432006/ximab-zumab-und-umab-als-arzneimittel/

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