Zielgelenke bei Hämophilie A

Zielgelenke bei Hämophilie A

Besonders bei Menschen mit einer schweren Hämophilie A können Spontanblutungen auftreten – also Blutungen ohne erkennbaren Grund. Etwa 80 Prozent der Blutungsereignisse treten in den Gelenken auf. Am häufigsten betroffen sind: Knie, Ellenbogen und Sprunggelenke. Aber eine Blutung kann auch in jedem anderen Gelenk auftreten.

Was bedeutet „Zielgelenk“ und wie kommt es dazu?

Kommt es in einem Gelenk wiederholt zu Blutungen, nennt man es „Zielgelenk“ (target joint). Die Definition, ab wann genau man von einem Zielgelenk spricht, variiert je nach Quelle. Eine gängige Definition lautet: ein Gelenk, in dem drei oder mehr Spontanblutungen innerhalb von sechs Monaten auftreten. Bei Menschen mit Hämophilie A können sich auch mehrere Zielgelenke entwickeln.

Aber wieso kommt es überhaupt zu wiederholten Blutungen in ein und demselben Gelenk? Das Blut löst im Gelenk eine Entzündungsreaktion aus. Diese schädigt das Gewebe: Der Knorpel wird angegriffen und die Gelenkinnenhaut gereizt. Dadurch erhöht sich das Risiko für erneute Blutungen in dem Gelenk, die wiederum eine Entzündung auslösen. Es entsteht ein Teufelskreis. Unbehandelt kann zunächst eine chronische Entzündung der Gelenkinnenhaut (Synovitis) entstehen, die sich durch eine anhaltende Gelenkschwellung bemerkbar macht. Im weiteren Verlauf kann es zu einer dauerhaften Störung der Gelenkfunktion kommen.

Gelenkblutung Hämophilie A Kreislauf
Gelenkblutung Hämophilie A

Langfristige Folgeschäden vermeiden, Lebensqualität erhalten

Die häufigen Einblutungen in einem Zielgelenk können ohne entsprechende Behandlung schnell zu dauerhaftem Gelenkverschleiß führen. Chronische Schmerzen und Funktionseinbußen – bis hin zur Versteifung des Gelenks – können die Folge sein. Darunter leidet neben der Gesundheit auch die Lebensqualität der Betroffenen: Studien zufolge kann das Auftreten von Zielgelenken die Lebensqualität von Menschen mit Hämophilie A enorm beeinträchtigen.

Daher ist es wichtig, eine Gelenkeinblutung schnell zu versorgen und Blutungen durch die regelmäßige Anwendung der verordneten Medikamente vorzubeugen. Es wird stetig nach neuen Behandlungsansätzen geforscht, die Patienten noch besser vor Blutungen bewahren können. Du bist Dir nicht sicher, ob Deine Therapie Dich ausreichend schützt? Sprich mit Deinem Arzt, vielleicht lässt sich Deine Behandlung optimieren.


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Quellen:

Geraghty, S. (2010). Orthopedic Complications and Treatment  Related to Chronic Hemarthrosis. National Hemophilia Foundation. URL: https://www.hemophilia.org/sites/default/files/document/files/Nurses-Guide-Chapter-9-Orthopedic-Complications-Treatment.pdf

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Berntorp, E. et al. (2017). European retrospective study of real-life heamophila treatment. Haemophilia, 23:105-114.

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