Wie ich meine Zukunft mit Hämophilie A gestalte

Als Hämophilie-Patient seine Zukunft gestalten

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

in diesem Blog-Beitrag möchte ich Euch gerne erzählen, wie ich mit dem Thema „Zukunftsgestaltung als Hämophilie-Patient“ umgehe und welche Hürden und Erfolge ich auf meinem Weg bereits erlebt habe. Dabei möchte ich darauf hinweisen, dass das meine persönliche Geschichte und Denkweise ist. Natürlich kann jeder vollkommen frei entscheiden, wie er seine Zukunft gestalten möchte.

Die Aufgabe

Als Kind machte ich mir eigentlich nie großartig Gedanken über meine Zukunft. Warum auch? Ich spielte den ganzen Tag mit meinen Freunden, hatte keine Sorgen und auch keinen Stress. Lediglich die Schule, die mir aber eigentlich auch Spaß machte. Eines Morgens kam unser Lehrer ins Klassenzimmer und teilte eine Aufgabe aus. Da ich immer ganz hinten saß und somit auch einer der letzten war, der die Aufgabe bekam sah ich bereits vorher die fragenden Gesichter meiner Mitschüler. Auch ich wunderte mich, als ich den Zettel sah, denn es war im Prinzip einfach nur ein leeres Blatt Papier. Daraufhin sagte er, wir sollten einen Brief an unser älteres Ich schreiben und erst in zehn Jahren wieder öffnen und lesen. Ich hatte ja mit vielem gerechnet, aber die Aufgabe stellte echt meine Welt auf den Kopf...

Mein späteres Ich

Viele werden sich jetzt sicherlich Fragen, wieso diese einfache Aufgabe meine Welt auf den Kopf stellte. Nicht das Schreiben eines Briefes war das Schwierige, sondern dass ich mir in diesem Moment überlegt hatte, wie ich später wohl sein würde. Wie würde ich aussehen, wo würde ich arbeiten, hätte ich ein Haus oder Familie? Gibt es bis dahin vielleicht Tabletten, die ich für meine Hämophilie nehmen könnte, oder wäre ich bis dahin vielleicht sogar ganz geheilt? Das alles war so überwältigend, dass ich teilweise echt nervös wurde. Schließlich würde mein späteres Ich irgendwann diesen Brief lesen. Ich schaltete mein Gehirn einfach aus und fing an, aus dem Bauch heraus meine Gedanken und Emotionen aufzuschreiben.

Die Gedanken

Auch später ließen mich diese Gedanken nicht mehr los. Ich merkte, dass ich mir im Prinzip selber aussuchen konnte, wie ich später einmal sein möchte. Ein Mensch, der davor immer spontan war, fing auf einmal an, alles zu planen. Ich wurde zu jemandem, der sich über alles und jeden Gedanken machte, selbst abends wenn ich zu Bett ging. Ich behaupte sogar, dass ich aufgrund meiner Denkweise ein komplett anderer Mensch wurde. Ich fing an, aus Fehlern zu lernen, über jede Entscheidung gründlich nachzudenken und mir meine Zukunft Stück für Stück aufzubauen. Es gab natürlich viele Rückschläge und es dauerte auch eine Zeit, aber ich konnte jeden Erfolg am eigenen Leib spüren. Das motivierte mich, erst recht weiterzumachen. Das Einzige, was ich nicht wollte, war die Freude am Leben zu verlieren. Und das ist zum Glück nie geschehen.

Zehn Jahre später

Vor wenigen Jahren öffnete ich diesen Brief aus der Schulzeit. Einerseits freute ich mich, weil ich nicht nur der Mensch geworden bin, den ich mir damals vorgestellt hatte, sondern es außerdem noch geschafft hatte, einen draufzulegen. Andererseits war ich auch traurig, weil die Kindheit in meinen Augen eine wirklich schöne Zeit war, die ich einfach nicht genug geschätzt hatte. Ich meine, was für ein Leben – ohne Arbeit, Steuern, Rechnungen und Stress.

Spaß bei Seite: Ich denke, wenn man es richtig anstellt und sich eine Arbeit sucht, die einem Spaß macht und Menschen um sich herum hat, die einen glücklich machen, dann gibt man dieses Leben auch für nichts auf der Welt wieder her. Abschließend möchte ich meinen Blog mit einem schönen Zitat von Jack London beenden: „Wir leben zu sehr in der Vergangenheit, haben Angst vor der Zukunft und vergessen dabei völlig, unsere Gegenwart zu genießen!“


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