Umzug mit Hämophilie A

Ein Umzug ist eine Herausforderung für Hämophile: Kisten schleppen, Möbel aufbauen, Löcher bohren. Bloggerin Kerstin berichtet über ihre Erfahrungen.

Mein Name ist Kerstin und in meinem heutigen Blog-Beitrag schreibe ich über meine persönlichen Erfahrungen mit dem Thema „Umzug mit Hämophilie A“.

Unsere Trennung

Wie es leider manchmal im Leben so ist, trennen sich die Wege von Menschen, die gemeinsam durch dick und dünn gegangen sind. So ist es auch bei meinem Mann Meikel und mir gekommen. Nach einer langen Zeit von 16 Jahren mussten wir uns mit dem Thema „Trennung“ beschäftigen, was uns beiden nicht gerade leichtfiel. Lange Zeit redeten wir und irgendwann kamen wir zu dem Ergebnis, dass es wohl doch unumgänglich sei. Gründe gab es viele – wie wohl bei jeder Trennung.

Nach unseren vielen und langen Gesprächen ging Meikel hier in Berlin auf Wohnungssuche. Diese gestaltete sich aufgrund des aktuellen Wohnungsmarktes wie erwartet sehr schwierig. Zudem hatte Meikel natürlich auch ein paar Ansprüche an seine Wohnung: bezahlbar, ausreichende Größe, Fahrstuhl, ebenerdige Dusche, Balkon und Laminat. Leichter gesagt als getan. Aber er fand eine adäquate, bezahlbare Wohnung.

Zuerst wollte Meikel gerne eine 2-Zimmer-Wohnung haben, aber er bekam nur einen Wohnberechtigungsschein für eine 1-Zimmer-Wohnung. Das war vielleicht gar nicht so schlecht, denn von jetzt an ist er selbst für seine Wohnung verantwortlich und muss diese allein sauber und ordentlich halten. Da ist für den Einstieg eine kleinere Wohnung vermutlich besser geeignet.

Der Umzug

Als der Tag des Umzugs kam, haben sein Bruder, einer seiner besten Freunde und ich mit den Kindern Meikel dabei geholfen. Denn aufgrund seiner Hämophilie und den damit einhergehenden Beeinträchtigungen hat Meikel leider Probleme mit dem Laufen und kann nur sehr schwer Umzugskartons tragen.

Es ging recht gut und schnell voran, und als alles in der neuen Wohnung war, ging es an den Aufbau der Möbel und die handwerklichen Tätigkeiten wie zu bohren oder Lampen und TV-Halterung anzubringen. Auch hierbei benötigt Meikel wegen seiner Einschränkungen Hilfe, da er für vieles aufgrund der angegriffenen Gelenke nicht mehr genügend Kraft aufbringen kann. Die Tage danach waren geprägt von auf- und einräumen, dem ersten Einkauf und erst einmal in der neuen Wohnung überhaupt anzukommen. 

Ein Umzug ist schon für gesunde Menschen ein großer Aufwand und für Menschen mit Hämophilie demnach eine noch größere Herausforderung. Denn kaputte Gelenke und die damit verbundenen Schmerzen erschweren einen Umzug zusätzlich. Auch mit einer zusätzlichen Medikamentengabe und extra Schmerzmitteln wird die Situation nicht besser für die Gelenke. Mein Fazit: Ein Umzug mit Hämophilie ist zwar für den Betroffenen möglich, aber ohne Unterstützung beim Tragen, Schleppen und Handwerken allein nicht machbar. 

Tipps für einen Umzug

Deswegen sollte man sich für einen Umzug genügend Helfer organisieren, die einen unterstützen – egal in welcher Form. Wem es finanziell möglich ist, der sollte nicht zögern, ein Umzugsunternehmen mit dem Umzug sowie Ab- und Aufbau der Möbel etc. zu beauftragen.

Für diejenigen, die finanziell nicht so gut aufgestellt sind, aber Hilfe benötigen, empfiehlt es sich, einen Antrag auf Übernahme von Umzugskosten beim zuständigen Träger (Sozialamt, Jobcenter etc.) zu stellen. Man sollte sich auch nicht davor scheuen, solche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch karitative Einrichtungen kann man kontaktieren, denn oft helfen ehrenamtlich engagierte Menschen in diesen besonderen Situationen mit und unterstützen Menschen, die Hilfe benötigen.

Wer auf einen Umzug mit Freunden, Verwandten und Bekannten setzt, kann natürlich – soweit es geht – auch seinen Teil dazu beitragen, indem er leichte Sachen trägt oder sich um die Versorgung der Umzugshelfer kümmert. Ich bin mir sicher, die meisten Umzugshelfer freuen sich auch über ein Dankeschön-Essen oder Ähnliches im Nachhinein. 

Für die Helfer habe ich noch folgenden Tipp: Man sollte dem Betroffenen immer zeigen, dass auch er in der Lage ist, seinen Teil zum Umzug beizutragen und trotz seiner Einschränkungen etwas zu leisten. Das stärkt das Selbstbewusstsein und die Person wird auch weiterhin animiert, dass sie noch viel mehr erbringen kann, als sie vielleicht selbst zu glauben vermag.

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