Corona und Hämophilie A – was hat sich für mich dadurch geändert?

Jetzt, einige Monate nach dem akuten Auftreten von Corona, bin ich mal in mich gegangen und habe überlegt, was diese Pandemie so alles für mich mit meiner Hämophilie A verändert hat.

Klar ist: Während der akuten Phase mussten wir uns alle komplett von jetzt auf gleich umstellen und das leichte, unbeschwerte Leben war im Nu vorbei. Statt Party, Weggehen, mit Freunden treffen und all solchen Dinge, hieß es für längere Zeit für alle: zu Hause und bloß gesund bleiben.

Nach dem Lockdown

Gesagt, getan. Für mich ist das kein Problem gewesen, da ich ohnehin jemand bin, der gern zu Hause ist, dort seinen Kaffee trinkt und nicht zwangsläufig in irgendeinem Lokal dinieren muss. Und trotzdem macht man sich Gedanken, wie man auch nach dem Lockdown wieder einigermaßen „flüssig“ in den Alltag übergehen kann, der ja viele Lebensbereiche betrifft: Man muss im Hämophiliezentrum seine Medikamente holen, muss dann und wann zum Arzt, die Einkäufe für das alltägliche Leben erledigen und auch die Hobbies der Kinder, wie etwa Fußball, woll(t)en wieder bedient werden.

Ich als chronisch Kranker, hatte bzw. habe – mit all meinen Krankheiten – immensen Respekt und habe mir tatsächlich immer wieder überlegt, ob ich den einen oder anderen Gang erledige oder eher nicht. Letztendlich war es aber so: Ich musste ja mal raus, mich wieder selbst um einige Dinge kümmern, unter Leute kommen und etwas anderes sehen und hören. Und klar: Es war ungewohnt, nach langen Wochen zu Hause wieder in die Stadt zu gehen oder zu meinem Sportstudio, das wieder geöffnet hatte.

Tatsächlich habe ich mich nicht nur mit einer gehörigen Portion an Respekt wieder los in die Realität „da draußen“ gewagt, sondern auch mit meinem neuen Begleiter – der Mund-Nasen-Schutzmaske.

Die Vorsicht bleibt

Was mich total irritiert hat, ist die teilweise schonungslose Unbekümmertheit der Menschen, welche wie selbstverständlich wieder das bunte Treiben annehmen und so tun, als sei nie etwas gewesen. Für mich muss ich ganz klar sagen, dass ich zum Schutz für mich und meine Familie doch noch immer unnütze Wege, Besuche und Shoppingtouren vermeide. Tatsächlich beschränken sich meine Aktivitäten nur darauf, zum Sport zu gehen, um etwas für meine Gelenke und meine Fitness zu tun, oder aber tatsächlich Arztbesuche wahrzunehmen. Und auch dabei achte ich darauf, die öffentlichen Verkehrsmittel nicht mehr als nötig zu nutzen, sondern setze eher auf das private Auto oder das Fahrrad, um so wenig wie möglich Kontakt zu anderen Menschen bzw. Menschenmassen zu haben. Vor Corona war es tatsächlich so, dass ich vermehrt auf die Öffis gesetzt und das Auto stehen gelassen habe – aus Rücksicht auf die Umwelt. Heute nutze ich öfter das Auto – aus Rücksicht gegenüber anderen Menschen und einer eventuellen Infektion.

Ich wäge mittlerweile ganz klar ab, was an Wegen und Besuchen o. ä. unbedingt notwendig ist und was nicht. Schon immer war ich, gerade in Bezug auf meine Krankheiten, ein sehr vorsichtiger Mensch. Nun aber, in Zeiten der Corona-Pandemie, hat mich meine Vorsicht noch mehr geprägt und ich werde zunächst weiterhin diesen Weg gehen und mich fragen: „Muss das jetzt sein oder nicht?“ Und dann entscheiden, ob Ja oder Nein. So nehme ich nicht nur Rücksicht auf andere, sondern in erster Linie auf meine Familie und mich.


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