Mein Weg zur Erwerbsminderungsrente – Kampf mit der DRV (Teil 2)

Erwerbsminderungsrente bei Hämophilie A

Wie ich bereits im ersten Teil meines Blog-Artikels zum Thema Erwerbsminderungsrente erwähnt habe, sollte die Einreichung der Klage über die zu erreichende Erwerbsminderungsrente bei Hämophilie A beim zuständigen Sozialgericht erfolgen. Sie erfolgte Anfang Februar 2011.

Meine Anwältin entwickelte eine entsprechende Klageschrift, die unzählige Seiten enthielt. Ein sehr prägender Satz gleich zu Anfang zeigte, wie es in mir aussah: „Die Klage begründe ich im Hinblick auf die verzweifelte Situation des Klägers und seiner Familie schon jetzt wie folgt ...“

Vorab wurde alles per Fax an das zuständige Gericht gesendet. Der Austausch zwischen Gericht und der Anwaltskanzlei lief immer recht zügig. Doch von der Gegenseite, das heißt vom Rentenversicherungsträger, kamen immer wieder Gegenargumente, die alles in Frage stellten.

Es wurden ständig Arztberichte meiner behandelnden Ärzte in Frage gestellt. Außerdem musste ich zu weiteren Gutachten, welche die Deutsche Rentenversicherung (DRV) anordnete. Dazu kamen weiteren Untersuchungen und Tests bei meinen eigenen Fachärzten. Dies war nötig, um der Gegenseite zu beweisen, dass mein Gesundheitszustand tatsächlich weiter in den Keller ging und dass ich wirklich nicht mehr viel im Arbeitsleben leisten konnte. Mehrfach wurden Röntgenbilder angefertigt und MRT-Termine anberaumt. Mittlerweile war ich so mürbe und belastet, dass sich bei mir schon eine Depression zeigte.

Ein steiniger Weg zur Erwerbsminderungsrente: Antrag abgelehnt

Laut Gutachten stellte man damals fest, dass ich eine kurze Wegstrecke (weniger als 200 Meter) nicht schmerzfrei zurücklegen konnte und in beiden Sprunggelenken ein Ruheschmerz herrschte. Selbst bei leichter Belastung traten schon enorme Schmerzen auf.

Ein von mir im Juni 2011 gestellter Antrag auf Rehabilitationsleistungen wurde sofort abgelehnt. Weitere Arztberichte einer Orthopädie-Klinik, meines damaligen Hämophilie-Zentrums, der Gastroenterologie und vieler anderer Ärzten änderte bei der DRV nichts an der Einstellung. Immer und immer wieder war diese der Meinung, ich könnte noch mal „etwas reißen“.

Das gesamte Jahr 2012 war gespickt mit zahlreichen Terminen: Immer und immer wieder musste ich Gutachten über mich ergehen lassen und zum Arzt zwecks neuer Diagnosen. Mich hat diese Zeit psychisch an den Rand meiner Kräfte gebracht und ich konnte ehrlich gesagt, keinen Arzt mehr sehen und wollte auch nicht mehr zu einem Arzt.

Mittlerweile kamen auch Briefe vom Sozialgericht, in denen es um mündliche Entscheidungen ging, wo ich nicht anwesend sein musste. Und so ging dies noch Monat um Monat. Immer wieder war meine Anwältin zur Stelle. Sie hat mich unterstützt, sich Zeit genommen und alles akribisch aufgearbeitet. Sie war auch diejenige, die aus früheren, anderen vergleichbaren Verfahren Aktenzeichen herausgesucht und Urteile als Beispiele gebracht hat. Damit war sie ein wertvoller Mitstreiter in dem unermüdlichen Kampf gegen die Mühlen der DRV.

Noch ein Gutachtertermin

Anfang des Jahres 2013 musste ich dann bei einem neuen Gutachter der DRV vorstellig werden, der mich dann in die Mangel nehmen sollte – und das an zwei verschiedenen Terminen. Anfangs kam mir dieser Arzt recht eigenartig und skeptisch vor, jedoch war dieser Arzt anders als alle anderen. Er nahm alles genau unter die Lupe und fragte genau und gezielt nach. Wenn ihm etwas nicht gefiel, hinterfragte er das Ganze nochmal. Er kontrollierte Reflexe, führte Nervenmessungen durch, führte intensive Gespräche in psychologischer Hinsicht, ging den Schmerzen in Sprunggelenken und Co. nach und befasste sich auch mit meinem familiären und mentalen Sorgen, die solch eine Krankheit mit sich bringt.

Nach zwei Terminen bei diesem weiteren Gutachter der DRV hieß es mal wieder: Warten!!! Und das Warten hatte sich gelohnt. Im November 2013 kam die Mitteilung, dass mir die Erwerbsminderungsrente UNBEFRISTET zugesprochen wurde – rückwirkend ab dem 01.12.2009.

Kämpft für Euer Recht!

In mir und meiner Familie machten sich Erleichterung, Freude und Entspannung breit. Nach dieser Mammutzeit von fast vier Jahren hatte der Kampf mit der DRV nun endlich einen Abschluss gefunden. Endlich war das Martyrium beendet und die Frage geklärt: „Bekomme ich diese Erwerbsminderungsrente oder nicht?“ JA ... und ich bekomme sie noch heute.

Ich kann jedem, der diesen Schritt gehen möchte, muss oder auch soll, eindringlich raten, nicht aufzugeben, sondern sich anwaltliche Hilfe zu nehmen und genauso zu kämpfen, wie ich es getan habe


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