Reha mit Hämophilie A – es kann losgehen!

Heute nehme ich Euch mit auf die Reise in meine langersehnte Reha. Trotz schwerer Hämophilie A mit Gelenkproblemen musste ich lange darauf „hinarbeiten“.

Voller Aufregung startete ich am 19.09.2024 in den Tag und wurde vom Abholdienst der Rehaklinik direkt vor meiner Haustür abgeholt. Und los ging es für 3 Wochen ins Eisenmoorbad Bad Schmiedeberg – abseits vom Alltag zu Hause und allen Gewohnheiten, die man so hat. 

Unterwegs wurden noch weitere Reha-Patienten „eingesammelt“ und nach einer recht entspannten Fahrt von Berlin nach Bad Schmiedeberg im schönen Sachsen-Anhalt wurde man in der Rehaklinik freundlich begrüßt. Man erhielt seinen Zimmerschlüssel und wurde somit eingecheckt. Die Koffer wurden auf das Zimmer gebracht und man erhielt erste Anleitungen, wo sich was in dieser Klinik befindet – sozusagen ein kleiner Rundgang. Man bekam z. B. einen Tisch mit festem Sitzplatz für das Einnehmen der Mahlzeiten zugewiesen und auch andere Bereiche wurden gezeigt, z. B. wo die verschiedenen Anwendungen und Therapien stattfinden würden. 

Meine ersten Schritte in der Klinik 

Gleich am Folgetag startete man mit einem Erstgespräch beim zuständigen Arzt, welcher einen Therapieplan ausgearbeitet hatte, der auf mich und meine Bedürfnisse angepasst war. 

Mein Therapieplan beinhaltete diverse Therapien wie z. B. Wassergymnastik, Lymphdrainage, verschiedene Physiotherapien, Bewegungstherapie, Moortherapie und auch Elektrotherapie. Alles zugeschnitten auf die Probleme bezüglich meiner Gelenke und sonstiger Defizite des jBewegungsapparates. 

Und dann ging es auch schon los. Klar ist, dass ich schon gemerkt habe, dass diverse Muskeln in den letzten Jahren wenig bis gar nicht beansprucht wurden. Und dass ich mich tatsächlich auch recht wenig bewegt habe. Die ersten Tage war ich nach all meinen Anwendungen völlig „kaputt“ und auch müde. So gönnte ich mir zwangsläufig nach einem leckeren Mittagessen immer eine kleine Einheit an Mittagsruhe, um wieder etwas Power für meine Anwendungen am Nachmittag zu erlangen. Das behielt ich während der gesamten 3 Wochen Reha bei. 

Meine verordneten Therapien 

Bei der Moortherapie bekam ich verschiedene Anwendungen. Unter anderem wurden mir Moorpackungen auf den Rücken und die Schultern gelegt und um meine Sprunggelenke gewickelt. Das alles wurde dann noch mit diversen Laken umwickelt und dann schwitzte ich so vor mich hin. Nach ca. 30 Minuten wurde ich wieder ausgepackt und musste Duschen gehen, um den ganzen Schlamm einzuweichen und wieder loszuwerden. 

Zusätzlich habe ich noch „Moortreten“ verschrieben bekommen. Dafür saß ich auf einem Stuhl vor einer mit Moorschlamm gefüllten Wanne, ich die ich meine Füße stellen und darin bewegen sollte. Das Moor in Bad Schmiedeberg soll eine heilende Wirkung haben: Die Stoffe ziehen in die Gelenke ein und durch die Wärme ist das auch schmerzlindernd. 

Bei der Lymphdrainage wurden meine Beine abwechselnd von oben nach unten zu den Füßen massiert. Und bei der Wassertherapie habe ich in einem Schwimmbecken Übungen für das Gleichgewicht gemacht: Balance halten auf einem Bein, Streckübungen der Beine im Wasser sowie Bewegungsübungen für die Schulter- und Ellenbogengelenke. Dazu kamen noch ca. 30 Minuten täglich auf dem Fitness-Fahrrad. 

Die Therapien zeigen Wirkung 

Schnell merkte ich, dass mir all meine verordneten Therapien doch recht guttaten. Und ich fühlte mich zudem auch richtig gut aufgehoben dort. Ich hatte meine ganzen Medikamente für Blutdruck, Diabetes und auch mein Faktorpräparat dabei, sodass ich immer auf der sicheren Seite war. Dazu wurde sowieso der Blutdruck von den Pflegerinnen dort gemessen und regelmäßig gab es den Austausch mit meinem zuständigen Arzt vor Ort. Es klappte einfach reibungslos. Anwendung für Anwendung nahm ich in Anspruch, gönnte mir Ruhepausen, genoss die absolut tolle Verpflegung und auch das entspannte Drumherum im angrenzenden Park mit seinem kleinen See, auf dem sich Enten tummelten und man dem Rauschen der Bäume zuhören konnte. Dieser lud einfach dazu ein, die Seele baumeln zu lassen, mal an nichts zu denken, sondern einfach nur an sich. Quasi eine kleine begleitende Psychotherapie würde ich schon fast sagen. Einfach im Einklang mit sich selbst sein. Dazu kam während der Reha auch das leckere Essen, das zu klar definierten Uhrzeiten zu sich genommen wurde. Man saß zu viert am Tisch, hat gemeinsam gegessen und war immer im Austausch mit seinen Mitmenschen. Für mich hatten die geregelten Tischzeiten folgenden positiven Effekt: Ich habe mich tatsächlich in diesen 3 Wochen so daran gewöhnt, dass ich es auch zu Hause weiter fortführe – bis heute. Auch das Tee trinken ist für mich zu einem festen Bestandteil in meinem Alltag zu Hause geworden. 

Bewegung bringt mich weiter 

Wie im Fluge vergingen diese 3 Wochen Reha. Für mich habe ich tatsächlich eine Ressource entdeckt, die in mir schlummerte – nämlich die Bewegung. Die Bewegung, welche ich einfach aus Angst vor Schmerzen, gerade in Bezug auf meine Gelenke, nie haben wollte. Während der Reha hat man es tatsächlich geschafft, mithilfe verschiedener Therapien und Erhöhung der Intensität der Therapien, einen Großteil der Beweglichkeit wiederherzustellen. Natürlich muss man dazu seinen eigenen Beitrag leisten und mitarbeiten. Das erfordert immense Willenskraft, aber auch die Bereitschaft, etwas für sich und sein Wohlbefinden zu tun – sowohl körperlich als auch seelisch. 

Was ich aus der Reha mitgenommen habe 

Für mich war klar, dass ich so weit wie möglich auch in meinem Alltag zu Hause einige Dinge aus meiner Zeit in der Reha übernehme:

Und genau das habe ich meiner Zeit in der Reha zu verdanken, in der ich klar gemerkt habe, dass Bewegung wichtig ist, um auch selbständig und flexibel sein zu können. Diese Tipps kann ich nur allen anderen auch mitgeben!