Sportarten für Kinder mit Hämophilie A

Als unser Sohn etwa 4 Jahre alt war und die Kindergartenfreunde anfingen zum Bambini-Fußballtraining zu gehen, kam auch bei uns die Frage auf, welche Sportart wohl die richtige für unseren Sohn mit seiner Hämophilie A wäre.

Fußballspielen war mir zu gefährlich

Als Erstes wollte er mit zum Training seiner Fußballkumpels. Ich dachte zunächst, das birgt in dem Alter noch keine so große Gefahr in sich. Aber ich sah folgendes Problem auf uns zukommen: Was wäre, wenn es später einmal beim Fußballtraining oder gar in einem Turnier so richtig zur Sache gehen würde? Wenn mein Sohn Spaß am Training hätte, die Freundschaften sich gefestigt hätten und ich ihm dann das Fußballtraining wieder verbieten müsste – wäre das der richtige Weg? Nach längerer Überlegung kam ich zu dem Schluss: Nein, eher nicht. So habe ich ihn lieber erst gar nicht damit anfangen lassen. Also beschränkte sich der Sport erst mal auf den Kindergartensport, Radfahren (Laufrad), Schwimmen und Wandern – privat mit uns. Im Alter von 5 bis 6 Jahren kam unser Sohn auf die Idee, dass er gerne Fechten lernen würde. Er hatte das zufällig bei uns im Ort in der Sporthalle gesehen, als die Fechtabteilung dort gerade Training hatte. Mein erster Gedanke dazu war: Puh, dann doch lieber Fußball?

Fechten – als Sportart für Bluter geeignet?

Ich informierte mich über den Fechtsport: Er wird erst ab 7 Jahren angeboten. Es gibt Florett-, Säbel- und Degen-Fechtsport. Bei uns im Ort wird Degen angeboten. Weil der Fechtsport Schnelligkeit, Gleichgewichtssinn, Konzentrationsfähigkeit, Koordinationsvermögen und den Umgang mit Niederlagen und Siegen fördert, informierte ich mich weiter über diese Sportart. Zum Beispiel auch über eine Schutzausrüstung, die es noch extra gab – zusätzlich zu derjenigen, die eh schon Pflicht ist.

Wir entschieden uns dann dafür, ihn den Fechtsport ausprobieren zu lassen. Aber mit einem extra Brustschutz (aus Plastik), der zusätzlich unter der Fechtkleidung getragen wird und für Außenstehende nicht sichtbar ist.



Man muss dazu sagen, es ist wie bei fast jeder Sportart: Als Anfänger in jungen Jahren geht es erst mal langsam los. So dauerte es etwa 10 Monate, dann legte mein Sohn die sogenannte „Fechtreife-Prüfung“ ab. Damit begann damals auch die Teilnahme bei den ersten Fechtturnieren. Bei den Bambini-Turnieren mit dem Mini-Degen geht es noch relativ sanft zur Sache. Es stellte sich aber schnell heraus, dass unser Sohn sehr ehrgeizig bei den Turnieren war und nicht nur ausschließlich aus Spaß daran teilnahm, sondern diese möglichst auch gewinnen wollte. Unser Plan war daher, in Abstimmung mit dem Hämophilie-Zentrum, die Faktorgabe möglichst auf Trainings- und Turniertage zu legen und natürlich immer Ersatzfaktor dabei zu haben. So ging die Zeit recht schnell um und unser Sohn kam in die B-Jugend. Das war der erste Jahrgang, in dem mit einem Erwachsenen-Degen gefochten wurde. Nach einigen Spaß- und Ranglistenturnieren stellte sich am Ende der Saison heraus, dass er sich für die Deutschen Meisterschaften im Degenfechten qualifiziert hatte.

Deutsche Meisterschaften im Fechten und Hämophilie A?

Erst haben wir uns, gemeinsam mit unserem Sohn, darüber gefreut. Dann kam bei uns aber auch schnell der Gedanke auf: Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften mit Hämophilie A – können wir das verantworten?

Wir haben uns damals dafür entschieden, ihn bei den Deutschen Meisterschaften starten zu lassen. Wer weiß, wie oft man sich im Leben für sowas qualifiziert und letztendlich war es nur ein Fechtturnier mit vielen Teilnehmern aus ganz Deutschland. Ihm selbst war es damals auch sehr wichtig daran teilzunehmen, denn am Fechten hat er einfach Spaß.

Informiert Euch und ermutigt Eure Kinder

Wir können daher nur allen Eltern hämophiler Kinder raten, sich die Sportart genau anzuschauen, die sich der Junior ausgesucht hat. Und sich bei Sportarten, die auf den ersten Blick als eher ungeeignet erscheinen, im Vorfeld umfangreich zu informieren. Im Zuge einer ausführlichen Recherche kann man zum Beispiel nach verfügbarer Zusatzausrüstung schauen, um so eventuell die ausgesuchte Sportart doch möglich zu machen. Zudem sollte man klare Regeln aufstellen, beispielsweise bezüglich der Medikamentengabe. Außerdem ist es ratsam, sich nach innovativen Therapien zu erkundigen, die trotz einer selteneren Gabe dennoch ausreichend Schutz bieten und sich so einfacher in einen selbstbestimmten Alltag mit sportlich-aktiven Hobbys integrieren lassen.

Falls noch jemand eine geeignete Sportart für seinen Junior sucht: Dafür gibt es heutzutage den „Haem-o-mat“, eine Seite, die Tipps und Anregungen gibt, um eine geeignete Sportart zu finden: https://www.haem-o-mat.de/


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