Die neuen technischen Möglichkeiten machen heute vieles einfacher. Meine Hämophilie-Behandlung begann 1974. Da gab es den Arzt, der einem etwas erzählte, und – wenn man Glück hatte – eine Bibliothek mit guten medizinischen Büchern sowie die Deutsche Hämophiliegesellschaft (DHG). Heute, in Zeiten des Internets und der KI-Anwendungen, sind die Möglichkeiten zur Information hingegen fast grenzenlos. Um eine KI sinnvoll nutzen zu können, ist der neue KI-Begleiter von Roche sehr hilfreich. Ich habe ihn als Heft vorliegen und ihn aufmerksam gelesen. Ihr könnt ihn Euch auf Active A bestellen oder herunterladen.
Was kann der KI-Begleiter?
Der KI-Begleiter gibt ausführlich Einblick und Anleitung, wie man die KI für seine Zwecke sicher und effektiv nutzen kann. Er hat mir gezeigt, wie ich einen aussagekräftigen und präzisen Prompt erstelle. Grob übersetzt heißt Prompt „Frage“ – also das, was man in die KI eingibt, um eine Antwort zu erhalten.
Der KI-Begleiter liefert viele hilfreiche Beispielprompts, die sich auf die eigene Situation anpassen lassen. Man findet auch viele Themen, zu denen man die KI fragen kann: die passende Therapie, Hilfe bei der Therapieentscheidung (Shared Decision Making 🡪 die gemeinsame Entscheidungsfindung von Patienten und Behandlungsteam auf Augenhöhe) oder die Bestätigung der Therapieentscheidung.
Auch bei der Vorbereitung auf das ärztliche Gespräch kann die KI unterstützen, z. B. mit Checklisten zu verschiedenen Themen: Krankheitsbezogene Ereignisse, Fragen zu Therapien oder deren Anwendung sowie rund um den Alltag mit Hämophilie. Oder wenn Du mehr zum Thema Blutungen, Zero Bleeds, Prophylaxe und Gelenkschutz wissen möchtest, damit Du erst gar keine Probleme mit Deinen Gelenken bekommst, kann die KI helfen. Hilfreiche Prompts dazu findest Du im KI-Begleiter. Auch bei Symptomen, die für einen unerfahrenen Hämophilen manchmal nicht so leicht zu deuten sind, kann die KI Informationen liefern. Das hilft auch besonders Eltern, die ein hämophiles Kind haben und so mit ihren Fragen und Ängsten in dieser neuen Lebenssituation nicht allein gelassen werden!
Sport ist ebenfalls ein wichtiges Thema. KI kann helfen zu sagen, was geht und was nicht. Ebenso für andere Bereiche des Lebens, wie Alltag, Ernährung oder Reisen. Welche Dokumente brauche ich für mein Reiseziel ? Wo ist das nächste Hämophilie-Zentrum ? Oder benötigst Du Hilfe bei Anträgen und Unterstützungsleistungen, z. B. bei der Pflege oder dem Antrag für einen Schwerbehindertenausweis? Auch dazu findest Du hilfreiche Prompts im KI-Begleiter.
Die Beispielprompts aus dem KI-Begleiter können auch bei Ängsten und Befürchtungen sehr hilfreich sein, um diese zu versachlichen und zu strukturieren. Du erfährst auch, wie Du anderen Personen, die bisher keine Berührungspunkte mit der Hämophilie hatten, Deine Erkrankung erklären kannst, um ihnen vermeintliche Berührungsängste oder falsche Vorstellungen zu nehmen.
Info
Dabei sollte jedoch immer beachtet werden, dass eine KI nicht das Gespräch mit Deinem Behandlungsteam ersetzt. Sie kann Dir lediglich Denkanstöße geben, die Du dann mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt besprechen kannst
Sollte ich der KI persönliche Daten geben?
Ganz wichtig: Gib nicht zu viel von Dir preis! Auch hier ist der KI-Begleiter sehr hilfreich und gibt wichtige Tipps, wie man mit persönlichen Daten und im Besonderen auch mit Arztbriefen und Diagnosen im Internet umgehen sollte. Man sollte z. B. nie sensible persönliche Daten angeben, sondern die Fragen zwar präzise, aber doch anonymisiert stellen. Die KI kann einen Arztbrief in einfache Sprache übersetzen, sodass auch ein medizinisch ungeschulter Mensch diesen leicht verstehen kann. Aber achte beim Hochladen darauf, dass Deine persönlichen Daten unkenntlich gemacht wurden.
Was kann die KI nicht?
Was die KI nicht kann, ist eine Diagnose zu stellen oder eine Therapieentscheidung zu treffen. Sie kann allenfalls dabei unterstützen, z. B. durch ein strukturiertes Festhalten Deiner Symptome oder durch Erstellen von Checklisten mit Aspekten, die Dir bei Deiner Therapie wichtig sind. Die Diagnose ist aber nach wie vor ausschließlich Sache einer Ärztin oder eines Arztes und die Entscheidung über eine Therapie ist immer noch gemeinsam von Patienten und Behandlungsteam zu treffen.
Außerdem sollte man immer einen Faktencheck mit seriösen Quellen machen, da die KI manchmal dazu neigt, zu halluzinieren oder falsche – eventuell aufgrund von nicht mehr aktuellen Datenbanken – Antworten gibt, die nicht den Fakten entsprechen. Dieses Problem tritt bei allen KI-Modellen auf, da diese darauf ausgelegt sind, kohärenten Text zu erzeugen – und nicht, um Wahrheiten zu garantieren. Da die meisten von uns wahrscheinlich ein kostenfreies KI-Model benutzen und nicht die besseren kostenpflichtigen Versionen, ist ein Faktencheck doppelt wichtig.
Wofür nutze ich den KI-Begleiter?
Ich habe den KI-Begleiter schon das ein oder andere Mal verwendet, um z. B. meine Entscheidung bei der Hämophile-Therapie zu bestätigen. Ich habe mich bewusst – unter Berücksichtigung meiner persönlichen medizinischen und alltagsspezifischen Gegebenheiten und unter Einbindung meiner behandelnden Ärztin – für eine subkutane Therapieform entschieden und das durch genaue Fragen auch von der KI bestätigt bekommen.
Für meine Vorbereitungen auf meine beiden RSO-Behandlungen am linken Ellbogengelenk im Februar und am linken oberen Sprunggelenk im Mai habe ich den KI-Begleiter ebenfalls genutzt. Er hat mir geholfen, mich über die Wirkungsweise und das Verhalten nach dem Eingriff zu informieren. Aktuell gibt er mir Hilfestellung bei der Einschätzung des Heilungsprozesses. Auch zukünftig werde ich die KI bei Therapieentscheidungen und geplanten Eingriffen unterstützend zurate ziehen.
Und auch im privaten Umfeld nutze ich die Tipps des KI-Begleiters: z. B. bei meiner Urlaubsplanung. Was muss ich als Hämophiler berücksichtigen, um keine bösen Überraschungen zu erleben? Wie sind die Gegebenheiten und die Versorgung im Urlaubsland?
Wichtig dabei ist, präzise Fragen zu stellen. Denn je präziser die Frage, desto genauer die Antwort. Unvollständige oder ungenaue Fragen werden von der KI mit Wahrscheinlichkeiten beantwortet, die oft zu ungenauen oder falschen Antworten führen. Wenn ich beispielsweise ohne genaue Angaben zu meiner persönlichen medizinischen Ausgangslage die KI pauschal nach der Versorgungslage im Ausland frage, ist das Risiko für eine fehlerhafte Antwort groß.
Meine Empfehlung für andere Hämophile
Aus meiner Sicht ist der KI-Begleiter sehr zu empfehlen, da er ein gutes Hilfsmittel ist, um sich mittels Internet und KI einen Überblick über die Möglichkeiten der modernen Medizin sowie über die Therapiemöglichkeiten im Bereich der Hämatologie, der Orthopädie und anderen Fachbereichen zu informieren. Auch im alltäglichen Leben ist der KI-Begleiter eine gute Sache: Sei es für Dienstleistungen, Lifestyle, Mobilität, Unabhängigkeit, Ämter oder Sport. Mir selbst hat er Fragestellungen aufgezeigt und Antworten gebracht, die ich so nicht erwartet hätte oder gar nicht auf dem Schirm hatte. Für mich war das z. B. der Notfallaufkleber fürs Auto 😉
Schaut Euch den KI-Begleiter doch einfach mal an!
Grüße, Holger
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